Manfred Hofmann ist Betriebsleiter der VOWA Innsbruck und damit für alles verantwortlich ausser dafür, dass er zur besten Zeit des letzten Jahrhunderts zur Erde befohlen- und zu einem Menschen mit naturgegebenem, sehr hohem Drehmoment wurde.

Das mag vielleicht auch der Grund sein, weshalb ihm die Schule und deren immergleiche Strukturen schon sehr bald auf den bewegten Geist gingen, den er hatte.


Der Tod ist aus biologischer Sicht stets notwendiger Nährboden für neues Leben, was zwar die Tragik des Falles vernachlässigt, aber in Manfreds Situation lebensentscheidend war. Denn der Nachbar, von dem man wusste, dass er ein Messi war in dem Sinne, dass er nicht Torerfolge sammelte, um viel Geld damit zu verdienen, sondern alles sammelte, ohne etwas zu haben, war frisch verblichen und sein Haus wurde ausgeräumt. Der kleine Manfred und der große Sachwalter standen eines Tages vor einem riesigen Haufen von Zeug, das auf den Müll wandern sollte. Darunter befanden sich an die 20 Fahrräder, auf welche Manfred sehnsuchtsvoll blickte und der Sachwalter, dies wohl und weise beobachtend und verstehend, meinte: Dann nimm sie halt mit!

Manfred fand Wege und auch den Raum, die Kostbarkeiten abzutransportieren wiewohl auch unterzubringen. Seine Großeltern besaßen einen Bauernhof in Mühlau/Innsbruck, und es gab Platz. Der Junge begann zu zerlegen und herumzubasteln, lernte im Tun sehr viel über die am Fahrrad übliche einfachste Technik der Fortbewegung.

Sein Vater bemerkte das mit Wohlwollen. Jener selbst war dem automobilen Fortschritt gegenüber sehr offen und symphathisierte in den Jahren, als die Japaner vor allem mit Toyota den europäischen Markt zu erstürmen trachteten, mit einem ebensolchen, da jeder Mensch, der etwas auf sich hielt, einen Toyota haben musste.

Für seinen VW Käfer wurden ihm etwa 1000 Schilling geboten, also 72,67€, worauf der Vater den Toyota erwarb und den Käfer seinem Sohne vermachte, der damit machen sollte, wonach ihm verlangte.

In der Scheune war noch Platz (der Schweinestall war schon ausgelastet mit Fahrrädern) und unter anfangs väterlicher Aufsicht konnte Manfred in vollem Beisein des Genusses den Käfer auseinanderbauen. Er meint dazu, dass er genau hier die, nach den Modalitäten bei den Fahrrädern, wesentlichen Arten von Technik hätte verstehen gelernt und wie das alles miteinander funktionierte verstanden. Diese Art von Beschäftigung machte die Schule für ihn nur noch fader, weshalb ein Studium nur hätte noch noch fader werden können.

Aber ein Studium zu betreiben schließt nicht zwingend eine Hochschule ein, in die Manfred nicht wollte. Er war also nur ein Jahr in der HTL und mehrere, todlangweilige Jahre im Gymnasium und bewarb sich konsequenterweise bei Peugeot zur Ausbildung zum Mechaniker. Ein Zufall, wenngleich auch seine bereits erworbenen Erfahrungen am Käfer ließen ihn trotz der Zusage von Moriggl – Innsbruck zur VOWA gehen.


Er begann am 2.8. 1982, 7:45 Uhr seine Ausbildung zum „KFZ – Mechaniker“. Keine Hausübungen mehr! Gesellenprüfung 1986! Manfred leistete seine 30 Monate an Praxis, welche zu „dienen“ waren, um sich dem Meisterbrief anzunähern, in Hall in Tirol ab – in der Filiale sozusagen. Im Februar 1989 war Manfred Meister.

Meister Manfred konnte sich also seinen Kompetenzen sicher sein, doch dass er auch eine besondere Kompetenz in der Kommunikation innehatte, bemerkten andere vor ihm.

Und so ergab es sich, dass der damalige Geschäftsführer der VOWA, Ing. Laimgruber, auf Manfred einzureden begann in dem Sinne, dass Manfred bitte einsehen könne, dass er nicht auf ewig hier im selben Genre tätig beiben müsse. Eine Weiterentwicklung wäre möglich und es gäbe da so eine Idee…..

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Mann bei der Arbeit.

Zwar liebte Meister Manfred seine Werkstatt, das Schrauben, den Duft, dennoch willigte er ein, um ein neues Kapitel seines Lebens aufzutun. Der Bedarf an seinen kommunikativen Kompetenzen war nämlich gegeben, als ein völlig neues Thema in die Welt der automobilen Technik eingeführt wurde: der Katalysator. Niemand hat jemals dessen Wirkungsweise verstanden gehabt, Manfred jedoch unterrichtete die Methode in feinstofflicher Präzision, um den von dieser aktuelle Technik überfahrenen Facharbeitern in der frisch gegründeten innerbetrieblichen Schule auf die Sprünge zu helfen.

Nach einem Jahr wurde Manfred ob des wieder und wieder wiederholten Erklärens mürbe. Eintägige Modelländerungsschulungen 17 Mal hintereinander für den Audi 100, danach für den VW Bus T4 und so weiter wurden Manfred irgendwann zu mühselig. Obschon er seinen Job sehr gut gemacht hatte, war ihm entweder nach seiner Werkstatt oder nach Abwechslung. Manfred bekam sie früher angeboten, als er erwartet hatte.


Es war einem nicht ganz zufälligen Zufall geschuldet, dass 1990 der Chef von Porsche Wörgl Manfred innerhalb eines Events ansprach, weil dieser ihm auffällig geworden war. Der Chef fragte Manfred im Sinne eines sich gegenseitig sinnvollen Ergänzens darum, Porsche in Wörgl als Betriebsleiter zu unterstützen und formulierte die Frage so: „Ich will, dass Du bei mir Betriebsleiter wirst!“.

Manfred, der sich als Innsbrucker empfand, sollte nun ins weit entfernte Wörgl pendeln?Meiner Einschätzung nach hätte er das nicht für Lada gemacht, aber mit einem Porsche als Firmenwagen ging sich das in 20 bis 30 Minuten aus.

Insgesamt war die Herausforderung eine ziemlich sportliche und Manfred nahm sie an. Im Juni 1991 nahm er also die Arbeit in Wörgl auf. Sechzehn Jahre lang blätterte er irgendwelche Porsches von IBK nach Wörgl und retour.

Die Pendelei wurde aber mit dem zunehmenden Verkehr und IG-L, also dem Luft – Hunderter, trotz guter Motorisierung recht mühsam.


So kam Manfred 2007 zurück in die VOWA, als gelernter und allumfänglich kompetenter Betriebsleiter und die Ruhe ist ihm dadurch nicht verpflichtet. Denn er ist für alle da, weshalb sich auch alle an ihn, auch über Umwege, wenden.

Wird es Manfred zu viel, scheucht er sich aus dem Büro und geht in die Werkstätten, um Benzingespräche zu führen, beim Schrauben dabei zu sein oder den dortigen Duft danach rauf in sein Büro zu tragen.

Auf die Frage, welchen anderen Job er vielleicht würde bzw. hätte machen wollen, hebt Manfred das Haupt und sagt mit einem milden Lächeln, dass er sich in seinem Traumjob befindet und dass er, selbst wenn er jetzt lange nachdenken würde, keine Alternativen fände.

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Text & Fotos © Peter Philipp 2018