Seat wurde in Barcelona gegründet, der heutige Firmensitz befindet sich jedoch in der Provinz – im nur 35 Autominuten entfernten Martorell.

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Das Seat – Werk in Martorell © Google

Genau hier wird der neue Arona gebaut und steht mit seinem Namen traditionellerweise in einem patriotischen Bezug zu einer spanischen Stadt. Arona liegt im Süden Teneriffas und ist sehr bekannt bei TouristInnen, die sich in den monumentalen und die Schönheit des Landstriches architektonisch völlig ignorierenden Urlaubsanstalten Playa de las Américas und Los Cristianos, also im Caorle und Jesolo Teneriffas, in der Sonne braten lassen und jede Befreitheit von lästiger Kultur genießen…..


Mit dem sportlichen Arona schließt Seat die Lücke zwischen Ibiza und Ateca, in der es mit Blick auf die Konkurrenz schon etwas zugig geworden war, auf seine Art: Er parkt sich vollautomatisch in die Lücke ein.

Dieser Seat Arona hier ist weiß. Candy – White, also Zuckerl – Weiß. Wäre er Candy – Green, so müsste er eigentlich Arosa heißen, aber egal, denn es gibt ihn auch in spannenden Farben wie Rot, Orange, Blau oder Rosé (!). In Grün indes nicht.

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El que se va sin que lo echen vuelve sin que lo llamen.

Seat propagiert ihn als  City -SUV mit nur 4 Metern Länge, das via der baulichen Höherstellung den Überblick im Stadtverkehr zu gewährleisten vermöchte. Wären die SUVs nicht gerade das boomende Segment, wäre das ja noch möglich, aber man blickt auf Seinesgleichen oder auf das nächstgrössere SUV.


Was angenehm an der Höhe ist, betrifft das Einsteigen. Einem greisen Endvierziger wie mir kommt mir das sehr entgegen. Und das Alcantara der Sitze fühlt sich so gut an, dass man in wertschätzendem Genusse eigentlich nackig darauf Platz nehmen müsste. Alcantara, so glauben einige, sei das Leder des gemeinen Alcants, das verträumt grasend als Hochlandgeschöpf über spanische Wiesen mäandert. In Wirklichkeit handelt es sich aber um einen Mikrofaservliesstoff.

Der Starknopf pulsiert rot. Auf ihm steht „start engine stop“. Man beginnt mit dem Drücken auf den Knopf also das Abschalten des Motors. Das Leben ist ein Kreislauf. Aber zu den Terminologien später mehr.

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Auto Ein- und Ausschalter.

Natürlich springt der Motor auf Fingerdruck an und das hat ja was, wenn man kindisch veranlagt ist. Was anspringt ist der 1,0 Liter – TSI – Dreizylinder – Turbo, den ich im Golf bereits lieben gelernt hatte. Dass die VW – Motoren an die Markentöchter durchgereicht werden liegt am Lifestyle der kultivierten Effizienz und hat lange Tradition.

Als Audi die Tochtermarke von Volkswagen wurde, sahen die ersten Modelle identisch aus, bis auf die Logos. Der Audi 50 war gleich dem VW Polo. Wir erinnern uns auch noch an VW Sharan, Seat Alhambra und Ford Galaxy, welche baugleich waren. Heute gilt das nur mehr für die Technik und Teile des Interiors, sonst ist der Arona originär.


Zurück zum Thema und nackt auf dem Alcantara ändere ich sofort die VOWA – Direktive dahingehend, dass ich nicht finde, dass ein Auto so gut sein muss wie sein Kundendienst. Nein, es muss so gut sein wie seine Heizung, seine Sitzheizung und das Radio, also dessen Empfangsqualität und die klingende Darbietung. Und siehe!

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6 Lautsprecher, ein 300 Watt – Verstärker mit 8 Kanälen und ein gediegener Subwoofer machen aus dem Arona eine mobiles Konzerthaus, das den Sound des Dreizylinders, der weniger gut weggefiltert klingt als im Golf, einfach abschafft. Das Teil nennt sich BeatsAudio – SoundSystem und ich wundere mich, dass es in der Werbung um den Arona keinen größeren Stellenwert hat, denn der Klang ist nämlich echt scharf.

Der Output der Anlage lässt sich mit einem Fadenkreuz auf alle beliebigen Orte des Innenraumes konzentrieren. Sei der Fall gegeben, dass der liebste Feind zB rechts hinten mitreist, kann man ihn punktuell fertigmachen mit zB der Karajanschen Version von „Kommt ihr Töchter“ aus J. S. Bachs Matthäuspassion mit 500 – Mann – Orchester, einem Chor, dessen Sopranistinnen schon unter Bach gesungen hatten und von einem siechenden Elend, die Dauer betreffend.

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Fadenkreuz auf dem Feind.

Der Arona startet den Motor und legt unter meiner Leitung los. Die 115 PS lägen bei ca. 5500 Umdrehungen an, trotzdem verfalle ich ins Spritsparen: 5 Liter im Schnitt können sich sehen lassen. Innerorts 50 km/h im 6. Gang, wie im Golf und einfach lässig.

Allerdings liegt in diesem Wagen eine sehr große Spreizung zwischen möglicher Vernunft und handfestem Schabernack, denn bewegt man sich zwischen 2-3000 Touren, also innerhalb des Bereiches, in dem der Turbo tief Luft in den Motor schnauft, auf einer Bergstraße, macht er echt Freude, was auch dem straffen Fahrwerk und der direkten Lenkung geschuldet ist – und dem relativ geringen Gewicht von nicht mal 1200 kg.

Enge Kurven durchsaust er mit für seine hohe Bauart geringer Seitenneigung, der Arona ist sehr berechenbar und fühlt sich dadurch sicher an. Im schlimmsten Fall zündet das Auto 6 Airbags….

Die Ausstattungsvariante Xcellence, die hier zu sehen ist, bietet einen ziemlichen Trubel an Zusatzausstattung und das Österreich – Paket legt noch was obendrauf.

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Nada creas sino lo que veas.

Die Rückfahrkamera zum Beispiel, die mit dem Park – Lenk – Assistenten den Arona beneidenswert souverän in jede Lücke schiebt; da haben sie geschaut, die Kinder! Oder ACC, die adaptive Geschwindigkeitsregelung, die einem auf der Autobahn auf extravagante Weise von allen Tätigkeiten ausser des Lenkens enthebt.


Für das Infotainment gibt´s auch ein paar Features und ich zitiere den Prospekt:

  • MP3/WMA Wiedergabe
  • 2 x USB & Aux-In & SD-Karten Eingang
  • CD-Laufwerk
  • iPod fähig (Apple Chip)
  • Bluetooth Freisprechanlage
  • Spracherkennung
  • Induktionsladeschale (zum Aufladen des Smartphones)
  • SEAT Full Link (Mirror Link, Apple CarPlay & Android Auto)

 

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De tal palo tal astilla.

Selbst wenn sich viel über die Fähigkeiten dessen schreiben ließe, lasse ich es, denn man kann es sich von den Seat- Profis der VOWA persönlich bis rein in den Kernel erläutern lassen. Ich erfreue mich der Sitzheizung und wie das Alcantara – Vlies an diesem kalten Frühlingstage meine hintere Partie auf Temperatur zu bringen beliebt.


 

Das Design des Arona ist auf Augenhöhe mit den Schwestermarken Audi, VW und Škoda. Sogar Lamborghini ist nicht weit weg, was die Lichtkanten, Sicken und Ecken anbelangt oder feinsinnige Abrisse der Linien. Bloss Bentley und Bugatti pflegen das Oval.

Gehen wir zB das Design – Thema Golf durch, so kam er als Kante, ging krapfenartig in die Rundungen über und kehrt jetzt zurück als kantige Rundung. Der Arona, in seiner ersten Generation, gibt auch eher die Kante im Sinne einer dynamisch – sportlichen Zeichnung. Die Kante liegt nun aber im Detail, das die insgesamt fließende Rundung akzentuiert.

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LED – Lichttechnik als Designelement.
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Leuchtdioden in Tomate und einem Hauch von Karotte.
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Scharfer Rückspiegel, mit dem man jede Form von Passanten halbieren kann.
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Beton, Blech, Glas.
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Große Räder, stimmiges Design, weil Rundung mit Kanten.
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Die Dachreling hat Seat so hinbekommen: 2 Al+3H2O › Al2O3+3H2

Im Arona steckt eine unsichtbare Menge an fortschrittlicher Technik, die mit abenteuerlichen Terminologien einem Menschen, der nicht mit dem Smartphone aufgewachsen ist, einige Rätsel aufgibt, die zum Raten anregen:

*Front Assist mit City-Notbremsfunktion? Es gibt also einen Assistenten, der sich an die Front begibt und, sobald man einer Stadt zu nahe kommt, den Wagen anhält.

*Berganfahrhilfe? Das Auto erkennt automatisch die Felswand und fährt autonom dagegen.

*Multikollisionsbremse? Der Wagen bremst selbsttätig in der Art, dass mindestens zwei andere Autos in die Kollision mit eingebunden werden.

Oder so.

Dieser Arona hier würde auf ca. 26.5 k€ kommen und die Blicke der Nachbarn lassen irgendwie den Rückschluß zu, dass womöglich bald ein Seat hier einziehen könnte…..


 

Text & Fotos © Peter Philipp 2018