Der MDR Sachsen führte im September des letzten Jahres (2017) mit dem Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI Dresden,  Matthias Klingner, das folgende Gespräch, das leider keine Publikation durch die Mainstream – Medien erfuhr. Da die Dieselthematik allerdings gerade jetzt durch Gesetzesbeschlüsse für Fahrverbote weitere Konsequenzen für Inhaber von Dieselautos vorerst in Deutschland zeitigt, welche das Wort der Zwangsenteignung nicht ganz unpassend erscheinen lassen, erlaube ich mir, dieses Interview hier anzuführen:

 

Was halten Sie von dem Mobilitätsfonds?

Klingner: Das mag eine sinnvolle Investition sein, auch, um die Gemüter jetzt etwas zu beruhigen. Und das Umrüsten von Fahrzeugen auf Elektroantrieb insbesondere für den öffentlichen Nahverkehr, die Einführung von Elektrobussen, das ist mit Sicherheit sinnvoll. Aber lösen wird es das Problem nicht.

Was ist das Problem?

Klingner: Das ist grundsätzlich und man muss da ein wenig tiefer gehen. Beispielsweise in die Zusammenhänge von Feinstaub und Stickoxid. Das ist ein motortechnisches Problem. Wenn wir wenig Partikel – also Feinstaub – ausstoßen wollen, müssen wir die Temperatur des Motors erhöhen, um den Kraftstoff vollständig zu verbrennen. Dann steigen aber die Stickoxid-Emissionen. Daran scheitert also die Automobilindustrie – beides kann man schwer reduzieren. Aber eigentlich gibt es eine sehr einfache Lösung für das Problem: Wir haben vor Jahren die Problematik der Feinstaubbelastung in der Luft untersucht und wir haben aus großen Datenmengen festgestellt, dass die Feinstaubgrenzwerte schlicht gesagt Unsinn sind.

Inwiefern?

Klingner: Das kann man einfach erklären. Etwa 90 Prozent dessen, was wir an Feinstaub messen, hat ganz natürliche Ursachen. Dazu muss man einen kleinen Blick in die Meteorologie werfen: Die Sonne erwärmt den Boden – warme Luft steigt auf, kalte sinkt zu Boden und es bildet sich die sogenannte „untere Mischungsschicht“ in der Atmosphäre. Die reicht etwa 2.000 Meter hoch und die nimmt alle Schadstoffe mit in höhere Regionen. Und dort wird sie abtransportiert. Und wenn der Boden trocken ist, nimmt sie auch Feinstaub auf und trägt den in die Luft. Bis zu 40 Mikrogramm an Feinstaubbelastung ist allein auf die Sonneneinwirkung zurückzuführen, also ganz natürlichen Ursprungs.

Im Vergleich dazu kann man an verkehrsreichen Straßen bis zu acht Mikrogramm zuordnen. Davon kommen vier Mikrogramm wirklich aus dem Auspuff und davon vielleicht die Hälfte von Nutzfahrzeugen, also Lkw etc. Und wenn man das hochrechnet auf das, was aus Diesel-Pkw kommt, dann sind das vielleicht 1,5 bis 1,7 Mikrogramm.

Und es gibt einen verfälschenden Effekt: Wenn die kalte Luft unten liegt und die warme Luft oben, dann hört die Walze auf zu rotieren und dann misst man alles, was irgendwie in der Atmosphäre ist unten am Boden, nicht nur, was aus Auspuffen kommt. Das heißt, wir messen die falsche Größe, wir messen die natürliche Feinstaubbelastung im Wesentlichen. Der Anteil der Diesel-PKW daran ist verschwindend gering.

Die Effekte, dass wir Überschreitungen haben, sind meteorologisch bedingt und die können durch menschliche Vorschriften nicht reduziert werden. Wenn man diese Richtlinien ganz wegließe, dann könnte man die Motortemperatur wieder absenken auf ein Niveau wie bei Euro 2 oder 3, würde dadurch deutlich die Stickoxid-Emission verringern und das Problem wäre weitgehend geklärt. Auswirkungen auf die Gesundheit hätte es nicht im Geringsten.

Das Verbannen von Autos ist also unnötig?

Klingner: Ja, das ist weitgehend Unsinn, man muss das ganz deutlich sagen. Das Gesundheitsrisiko wird maßlos überschätzt und übertrieben, die Horrorzahlen von Feinstaubtoten oder Stickoxidtoten ist reiner Populismus. An dem Feinstaub, den wir messen, ist noch kein Mensch gestorben.

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