Wer erinnert sich an den ersten Seat Ibiza?

Der Ibiza kam 1984 zur Welt und sein Designer war kein Geringerer als Giorgio Giugiaro, seines Zeichens auch Schöpfer des VW Golf! Er formulierte mit seiner Designsprache ein sehr europäisches Auto, doch mit einer dem Spanischen inneliegenden südländischen und temperamentvollen Liebe zu einer barfußigen und lustigen Lebensart.

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Der Ibiza mit 1,5-Liter-Systemporsche-Motor und 86 PS (Foto © Thesupermat)

Angeboten wurde der Ibiza, abgesehen von zwei lahmen Fiat-Motoren, hauptsächlich mit den legendären Triebwerken aus dem Hause Porsche. Bis zu 109 PS im 1,7i vermochten dem nicht mal 1000 Kilogramm wiegenden Kleinwagen unerhörte Fahrleistungen zu ermöglichen, sehr zur Freude der Jugend und sehr zur Verzweiflung derer Eltern.

Heute, vier Modellgenerationen später, stehe ich vor dem neuen Ibiza und denke mit Wehmut an den seligen 1,7i zurück. Alles wird schlechter, überall muß gespart werden, wie soll das nur weitergehen? Mit Ausnahme des stärksten Benziners und des Diesels haben sie ihm nicht nur viel Hubraum genommen, nein, auch Leistung und vor allem: einen Zylinder. Einfach so.

Das Einzige, was mehr geworden ist, betrifft das Gewicht. Ich bemerke im Moment das Aufkeimen meiner Vorurteile, denke an den Golf und an Nestroy und entspanne mich.

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Denn mit max. 1122 kg kann man ihm Korpulenz nicht wirklich unterstellen. Der Ibiza ist auf den ersten Blick eines: nämlich schick! Und das aus jeder Perspektive. Mit den kleinen Rückleuchten erinnert er stark an den Ur-Ibiza, während das gesamte Exterieur eine evolutionäre Weiterentwicklung Giorgettos Grundidee ist.

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Und dann diese Farbe! Desire-Red-Metallic nennt es Seat, ich nenne sie amouröse Affäre zwischen Auto und Sonne. Mit diesem Rot wird er auch in 20 Jahren nicht alt aussehen, so der Lack hält. Es gibt aber noch eine Farbe in der Palette, die ungewöhnlich gut zum Ibiza passt und über die man sich drübertrauen könnte bzw. sollte: Das Rosé-Gold-Metallic! Sieht aus wie eine Mischung aus Schilcher und Prosecco.

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Unser Ibiza hier steht breitbeinig da, was an seiner Ausstattungslinie liegt: FR. Mein Weibchen freut sich kurz umsonst, indem sie glaubt, FR bedeute Frau. Nein, meine Liebste, lehre ich sie altklug, das bedeutet Formula Racing!

Und deshalb steht er auch auf 18-Zöllern, wenngleich sie nicht Serie sind. Serie wären aber ebenfalls schmucke 17-Zöller. Vorne verfügt er über innenbelüftete Scheibenbremsen, die sehr motiviert zuschlagen, wenn die Katze quert, hinten wird noch getrommelt, wie bei allen Ibiza-Modellen unter 100 PS.

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Dieser Ibiza leistet 95 PS und bildet so irgendwie die goldene Mitte des verfügbaren Leistungsspektrums der angebotenen Motoren zwischen 65- und 150 PS. Alles über 90 PS hat Turbolader und Direkteinspritzung – der Wagen sollte also nicht allzu fad zu bewegen sein.

Und siehe! Der Turbo mischt sich gleich mal ein und jubelt den Motor hoch, als hätte man 180 km/h Rückenwind. Keine Spur von Fadesse! Dank des Sportfahrwerks, das den Ibiza auch um anderthalb Zentimeter näher an den Asphalt bringt, lässt er eine flotte Lotte anstandslos durchgehen – ich fühle mich an den ersten Ibiza erinnert, der auch so ein Pfeilchen war.

Der FR hat seine Stärken aber nicht nur in der Agilität, sondern auch im Innenraum und, wie schon im Arona, neige ich auch hier wieder zum Strippen, weil Alcantara, längs abgesteppt! Und ein roter Faden zieht sich durch den gesamten Innenraum.

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Besonders erwähnenswert ist die Handbremse, die sich nicht als der mittlerweile übliche kleine Kippschalter manifestiert, sondern noch ein wirklicher Hebel ist. Da die Handbremse auf die Hinterräder wirkt, was in Kombination zum Frontantrieb dazu einlädt, sie gern und häufig im winterlichem Genussdrift einzusetzen, ist man dem Fahrspaß des ursprünglichen Autofahrens um eine essentielle Freiheit näher.

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Dass das Lenkrad einen Patschen hat, ist sportlich aufzufassen ebenso wie die Tatsache, dass es fein beledert und exquisit in den Händen liegt. Die Mittelkonsole ist den PilotInnen leicht zugeneigt, aber nicht genug, um beifahrenden touchscreen-süchtigen Teenagern dauerhaften Zugriff zu verwehren. Aber kann man es ihnen verübeln? Nein, denn dem liegt der große Vorteil inne, dass sie aufgrund ihrer entrückten Affinität wegen jedes System sofort logistisch durchschauen.

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Man kann also von ihnen lernen, wie die Multimedia-Einheit aufgebaut ist und vor allem, wie und wo man das sensationelle BeatsAudio-System klanglich perfektioniert.

Wie am Bild zu erkennen ist, besteht die Materialvielfalt aus Leder, Kunstleder, Alcantara, Klavierlack und hochwertig wirkenden Kunststoffen. Außenrum liegen die Facetten nicht nur in der dynamisch gezeichneten Form mit allerlei Akzenten wie Dachspoiler, Auspuffblenden und einer Front, die schon den Cupra vorweg nimmt und mit LEDs ziemlich grimmig schauen kann. Nein, unter dem edlen Lack liegt eine vollverzinkte Stahlkarosserie, wodurch Rost auf Jahre kein Thema werden sollte.

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Sauberes, klar geschnittenes Design und LED_Scheinwerfer!

Weil ich Cupra erwähnte: Der Ibiza wird als solcher gebaut werden und wer mal einen Cupra gefahren ist, weiß was das bedeutet. Im Falle des Ibiza werden 200 Pferde mit wenig Gewicht beschäftigt werden – das wird kein Pfeilchen, sondern der Pfeil. Aber dazu ein andermal mehr……..

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Der kommende Cupra (Foto © Seat)

Fotos & Text © Peter Philipp 2018

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Der Ibiza Cupra 2018 (Foto © Seat Sport S.A.)