Genau heute, am 26. Mai 1938, gab es keinen Spatenstich. Auch keine Grundsteinlegung. Aber einen Stein.

Auf diesen klopfte Adolf dreimal mit einem Maurerhammer und frenetischer Jubel breitete sich über keine Stadt aus, sondern über weite Felder. Die Stadt indes war soeben gegründet worden.

Grundsteinlegung für Werk des KdF-Wagens

Die „Kraft-durch-Freude-Stadt bei Fallersleben“ nämlich, was ungefähr so skurril klingt wie „Hafen des verehrten Herrschers“, also Bandar Seri Begawan, die Hauptstadt der Brunei.

„Ich vollziehe die Grundsteinlegung im Namen des deutschen Volkes! Das Werk soll entstehen aus der Kraft des ganzen deutschen Volkes, und es soll dienen der Freude des deutschen Volkes!“, schwelgte Adolf, das Mikro verzerrte gnadenlos und es waren keine 16 Monate bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges mehr hin.

Man kann sich seine Verwandten nicht aussuchen, sagt man. In keinem Fall seine Eltern. Dass Volkswagen auf Hitlers Idee beruht, ist demnach Schicksal. Die Idee selbst jedoch war, wie sich vor allem später herausstellen sollte, nicht so schlecht, denn das Automobil war noch lange nicht demokratisiert worden in Europa. In den USA lief der Ford T schon lange vom Fließband und wurde so für den Durchschnittsamerikaner zu einer überschaubaren Investition.

Adolf wollte auch ein solches Volksauto, das 3 Erwachsene und ein Kind bei einem maximalen Verbrauch von 8 Litern und einem nicht zu überschreitenden Preis von 1000 Reichsmark autobahnfest transportieren können sollte – soviel stand schon 1934 fest.

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Skizze des KdF-Wagens von einem A.H. anno ´33.

„5 Mark die Woche mußt du sparen, willst du im eigenen Wagen fahren! “, war der Slogan, mit dem das Volk motiviert wurde, sich den Wagen nicht nur vorzuträumen.

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Ferdinand erklärt dem Führer den KdF-Wagen (© Hoffmann/Getty Images)

Ferdinand Porsche, ebenfalls Ösi, bekam 10 Monate, um diese Vorgaben mit einem fahrbereiten Ergebnis zu realisieren. Ferdinand hatte damals seinen Ruf als wohl genialster Konstrukteur ringsum gefestigt gehabt und er bemühte sich redlich, das vorgegebene Ziel zu erreichen. „Jeder Preis ist gut….“, sagte Hitler zu Porsche, „….jeder Preis unter 1000 Mark!“.

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Die Präsentation.

Der erste Prototyp des späteren „Käfers“ leistete 26 PS, lief einen Hunderter und sollte 990 Reichsmark kosten. Mehr als 6 Millionen Käfer wollte der Führer in den kommenden Jahren auf deutschen Straßen fahren sehen, jährlich sollten mindestens 300.000 Stück gebaut werden und die Kapazitäten über die Jahre auf 1,5 Millionen Exemplare raufgeschraubt werden.

Doch dazu kam es nicht, denn nach Kriegsausbruch waren zivile Fahrzeuge von geringerer Bedeutung als militärische, womit in den KdF-Hallen allradgetriebene Schwimmwagen, Kübelwagen und Kommandeurwagen für die Wehrmacht in einem Gesamtvolumen von 51.000 Stück hergestellt wurden. Sie alle standen auf der Plattform des KdF-Wagens, der offiziell nicht gebaut wurde, dennoch entstanden 630 Exemplare, die ebenfalls vom Militär – und später von der britischen Besatzung verwendet wurden.

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Dass nicht nur der Baubeginn des Käfers unter einem schlechten Stern stand, sondern auch die Konstruktion Porsches an sich, wird in weiteren Berichten zur Geschichte Volkswagens zu lesen sein. Darin wird auch gezeigt werden, dass der Käfer einige Väter hatte: Hitler, Porsche, Werlin und Nordhoff…….

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Hitler und Porsche am nun fertigen KdF-Wagen.

Trotz der Mißlichkeiten aller Umstände der Anfänge begann heute vor 80 Jahren eine von jeder Ideologie befreite Geschichte des Erfolges. Eines Erfolges, der weniger in die Vergangenheit, als vielmehr und optimistisch in die Zukunft blicken lässt.

In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag!


Text © Peter Philipp 2018