Andrea saust und holt eine Zeitung aus dem Jahre 1995, um mir etwas zu zeigen. Aber nicht, dass Österreich nun in der EU wäre, dass Fritz Eckhardt verstorben sei oder Michael Schumacher zum zweiten Mal Weltmeister geworden war.

Nein, Andrea will mir etwas wesentlich Erfreulicheres zeigen als all das, nämlich eine Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, die sich dem Neubau bzw. überhaupt ganz allgemein der VOWA anno ´95 widmete.

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Johanna und Andrea, die Damen vom Grill (Foto © TT)

Wie schnell die Zeit doch vergeht, meint Andrea und erinnert sich an gute, alte Zeiten.  Andreas Mutter nämlich hatte schon das VOWA-Café geleitet, noch im alten Gebäude und ab den 60er-Jahren, weshalb Andrea bereits als Dreijährige durch die VOWA wirbelte wie in einem zweiten Zuhause. Nebenan gab es einen Teich, in den ständig Kinder reingefallen waren und wo der Herr Feigl die Goldfische fütterte…..

Als Andreas Mutter nach knapp 30 Jahren an koffeiniertem Dienst am Menschen in den Ruhestand ging, trat Andrea die Thronfolge an als bereits wohlbekannte und geschätzte Institution im Hause. Noch 4 Jahre lang führte sie das Café im Altbau, danach wurde zum ersten Mal übersiedelt.

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Informationsfluß, wahlweise mit Zucker und Milch (Foto © TT)

Im Neubau bildeten Café und Information eine Einheit und befanden sich in zentraler Lage im Verkaufsraum. Andrea und Johanna bildeten ein dynamisches Duo und kümmerten sich um Termine und Verpflegung der KundInnen und MitarbeiterInnen. Ja, das war sich gleichzeitig ausgegangen, sagt Andrea: „….weil es noch keine Computer gab….“.

andrea_cafe_8205Durch die begünstigte Lage war das Infocafé sehr bald zum hotspot geworden und die Frequenz der Gäste stieg während der beinahe 10 Jahre seiner Existenz im Äquivalent zu den Verkaufszahlen der Autos. Im selben Verhältnis stieg jedoch auch – keine Rose ohne Dorn – der Geräuschpegel in den offenen Hallen, während die Verkäufer sensible Beratungsgespräche zu führen suchten. Eine zur akustischen Entlastung eingezogene Wand konnte in ihrer Behelfsmäßigkeit nicht den gewünschten Erfolg erzielen, was ein Umdenken zur Konsequenz haben musste und zur Entscheidung führte, das Café räumlich zu separieren, mit allen Vor- und Nachteilen.

Andrea war anfangs nicht wirklich glücklich über die anstehende Übersiedelung, obschon ihr die Gründe plausibel waren. Dennoch war es ein Zerreissen eines florierenden Treffpunktes, des Duos Andrea & Johanna und daher auch ein wenig ihres eigenen Herzens. Vom Informationscafé blieb die Information, für das neue Café wurden an der Nordseite des Hauses Räumlichkeiten geschaffen.

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Andrea wischt nochmal, bis sie ein lästiger Fotograf endlich nach Hause gehen lässt.

Am Neubeginn herrschte die Flaute. Trotz Andreas Freude mit ihrem neuen, schicken Arbeitsumfeld empfand sie sich in einem perfekten Versteck und im Vergleich zu vorher von stark unterfordernder Ruhe umgeben. Aber das sollte sich über die Zeit ändern.

andrea_cafe_8201Heute kommt man vom geschäftigen Trubel der Verkaufs- und Serviceräume in eine Ruheoase und Andrea wird erraten haben, was man gerne hätte, während man noch darüber sinniert. In wohnlicher Atmosphäre ist das Café immer noch das, was es immer war: Das Herz des Hauses, das Zentrum für kurze Besprechungen, die Hängematte für die kleine Pause oder das Sonnenplätzchen mit Pfiff, wenn´s Wetter passt.

Andrea leitet das Café nun schon fast so lange wie einst ihre Mutter, nämlich seit 28 Jahren. Immer noch und auch weiterhin komme sie gern ins Haus, weil, wie sie sagt, das Betriebsklima seit jeher ein Besonderes ist im Sinne der Freundlichkeit und Herzlichkeit. Ausserdem herrsche zwischen ihr und der VOWA eine fast familiäre Verbundenheit, die ihr den irgendwann bevorstehenden Abschied alles andere als leicht machen wird. Aber bis dahin ist noch einiges an Zeit zu verflüssigen, wahlweise mit Zucker und Milch!

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PS.: Andrea ist jeden Tag außer montags im Café anzutreffen und man findet sie so: Durch den Haupteingang geradeaus, weiter geradeaus, immer geradeaus und wo aus ist nach rechts und danach nach links. So einfach nämlich!


 

Fotos & Text © Peter Philipp 2018