In Bälde wird es auf dem VOWA-Gelände eine Baustelle geben, die einem Grund geschuldet ist, welchem eine Schuld zugrunde liegt: Volkswagens Töchter wachsen verdammt schnell!

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Also bekommt auch Seat ein größeres Zimmer, denn auch die Modellvielfalt der Marke ist ja auch noch nicht erschöpft. Und Seat will mit dem Cupra, zu dem wir gleich kommen werden, bis 2023 den Absatz verdoppeln und das, obwohl die Spanier zur Zeit bei den Stückzahlen enorm zulegen. Wäre mein 10-jähriger- und mit 143 cm normgroßer Sohn im ersten Quartal 2018 gleich schnell gewachsen wie Seat, wäre er Anfang Mai knappe 2 Meter groß gewesen.

Seat blüht also und geht mit Cupra einen essentiellen Schritt nicht nur Richtung Wachstum, sondern vor allem in die Schärfung seines Profiles als moderne und (extrem-) sportliche Marke im Konzern. Seit Februar 2018 ist Cupra nicht mehr die Bezeichnung für Seats Spitzensportler, sondern eben eine eigene Marke, ein eigenständiges Tochterunternehmen. Die beiden Leons, die hier vorgestellt werden, sind noch Seats, der erste echte Cupra, der auch das neue Logo tragen wird, wird der Ateca sein, welcher im März ´18 am Genfer Autosalon präsentiert wurde.


Cupra steht für Cup Racing und ab nun für die Motorsportabteilung Seats, die seit 1985 unter der Bezeichnung Seat Sport im Rallye- und Tourenwagenbereich erfolgreich unterwegs ist. Weiters unterhält Seat mit dem Seat Leon Supercopa einen eigenen Markenpokal. Diese Wilden betreiben ihr sportliches Engagement sehr ernsthaft und demnach ist die Erwartung an Cupra hoch.

Bis der Ateca kommt und weil die VOWA zu den erwählten Vertrieben zählt, welche Cupras anbieten dürfen, finden sich dort die zwei momentan verfügbaren Modelle: Der Leon Cupra R und der Leon Cupra ST.

Der Leon Cupra ST

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Zur Einordnung: Der Leon ist ist um 20 cm länger als der Audi RS3 und um 20 cm kürzer als der Audi RS4. Die Formel hierfür: RS3 plus RS4 dividiert durch 2. Er ist damit fast genau gleich lang wie ein Golf Variant und damit relativ kompakt.

Was uns als erstes sofort nicht aufgefallen war, ist, dass es sich beim Nevada-Weiss um einen Metallic-Lack handelte. Sofort auffällig dagegen war das stimmige Design. Leons waren zwar nie langweilig, aber dieser hier, gerade in der Kombi-Variante, trägt eine andere Spannung in sich als seine Vorgänger.

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Eine große Rolle hierin spielt die LED-Lichttechnik, welche den Exterior-Designern raumökonomisch in die Hände spielt, wiewohl sie in künftigen Modellen eine noch viel größere Rolle spielen wird als heute und vor allem 2012, aus welchem Jahr der Leon seine noch heute gültige Form hat.

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Dass sich der Cupra als aufmunitioniertes Derivat eines stylischen und für gewöhnlich mit einem 115 PS-Dreizylinder ausgestatteten young & urban – Autos an jene wendet, die nicht der Hybrid- oder E-Ratio folgen, sondern vom juvenilen Trieb befeuert werden, ungehemmten Spaß haben zu wollen, nachdem die Familie aus dem Auto gestiegen ist, spricht Bände für eine Marke wie Seat.

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Diesen Wagen noch dazu mit Allrad, einem 6-Gang-DSG und einem 300 PS-Motor als Cupra anzubieten und damit zum Ausdruck zu bringen, dass im ungehemmten Spaße die Seriosität einer Angst impliziert sein kann, die zu respektvollen und von Verantwortung durchwirkten Handlungsweisen zu führen hat, beschreibt Seats no-nonsense-Zugang.

Denn es ist absolut ernst, dieses Auto artgerecht zu bewegen auf nicht dem Motorsport exklusiv zugeordneten Fahrbahnen. 300 PS klingen mittlerweile ja nach nicht mehr viel, seit wir eskalationsgewöhnt auch weiterblättern, wenn wir das Wort Terror oder Krise lesen.


Noch bei der Übernahme war der Leon in – für seine Leistungsdaten – untypischer akustischer Dezenz aufgefallen – zwei echte und erhabene Endrohre, aber kein Sound. Das kann sich schnell ändern: Go!

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Über Allrad vollen Grip, via Turbo volles Drehmoment sind wir nun im Cup Racing – Modus unterwegs. Der Motor schreit laut und das Getriebe reicht seine Gänge ohne Schubunterbrechung durch. In den zwei Kehren quietschen die Reifen kurz, danach setzt der Vorwärtsdrang brachial wieder ein und die Landschaft zoomt sich vorbei. Am Ziel angekommen. Kehrtwendung. Nochmal.

Der Wagen pickt auf der Straße wie Harz zwischen den Fingern. Kehrtwendung. Nochmal! Sucht?

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Sportsendung: Ladedruck, Fliehkraft, Leistung im Standgas.

Genug. Ich parke in aller Stille zuhause ein, lasse den Motor noch etwas nachlaufen und die Botenstoffe meines Körpers wieder die gewohnten Richtungen finden. Das ist mein Auto, denk ich mir beim Aussteigen und zeige meiner Frau den großen Kofferraum und das tolle Panorama-Schiebedach, während das Triebwerk, leise und verschmitzt, im Standgas so tut, als würde er nur ein Einkaufswagerl schieben können. Der Anblick der feuerroten Bremssättel bringen sie auch nicht aus der Ruhe und eigentlich deutet von außen nicht wirklich etwas darauf hin, dass der Cupra in 4,9 Sekunden auf 100 davonspringen könnte.

Apropos: Die Cupras sind keine dem absoluten Sport unterworfenen Spartaner. Nein, da ist die komplette Ausstattung im Leistungsgewicht inkludiert, was das Vermögen der Cupras noch spektakulärer erscheinen lässt.

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Der Leon Cupra R

Es gibt Cupra-Sondereditionen in limitierten Auflagen. 799 Stück sind es im Falle des Cupra R. Er verteilt via manuellem 6-Gang-Getriebe 310 PS auf die Vorderräder und ist somit der stärkste jemals gebaute Seat für die Straße.

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Dieser hier ist ein frühes Werk.

Er zeigt sich in mattem Grau und sieht damit aus wie schlechtes Wetter, die Kupfer- und Karbonelemente vernichten die Hoffnung auf Sonne. Diese Farbwahlen stellen den Cupra R da wie eine Gedankenwendung, die nur dann eintritt, indem man nicht auf sie eingeht. Man will das oder nicht, angesicht dessen, was vor einem steht.

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Alcantara-Schalensitze, in denen man sich empfindet wie auf dem Schoß einer ängstlich klammernden Mutter arretiert: genau so unbeweglich wie sicher.

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Natürlich will Cupra seine wirklichen Rennversionen nicht nur in den Arealen der Benzinfresser räubern lassen, sondern auch im E-Sektor Stromschläge verteilen, und zwar mit dem Cupra TCR bzw. dem E-TCR.

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Elektro-Cupra E-TCR (Foto©Alexander Migl)

Wir lassen uns überraschen, was Cupra noch über die Zeit an Modellen und Sondermodellen lancieren wird. Mögen die Spiele beginnen!


 

 

Text & Fotos © Peter Philipp 2018