Die VOWA verfügt über ein wichtiges Areal, auf dem jeden Tag großer Andrang herrscht. Dieser Platz ist die Piazza San Marco der VOWA und steht unter der Verwaltung von Markus Berndlbauer, der hier als Doge herrscht und die Wasserfahrt der Autos überwacht. Bis zu 100 Fahrzeuge pro Tag schleust Markus durch die enge Gasse, um sie dem Zweck zuzuführen, nachher besser aussehen zu lassen als vorher – im besten Fall wie neu…

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Diese Methode ist dem hohen Gut der Pflege geschuldet und selbst wenn es nicht der Restauration eines Kunstwerkes gleichkommt, so hat es zumindest etwas mit der kompetenten Reinigung desselben zu tun.

Das hat auch das humanistisch gefärbte Venedig erkannt und gesehen, dass sich anhand eines Platzregens 100.000 Touristen gleichzeitig nass machen lassen, weshalb sie ihren Hauptplatz nach Markus´ Waschstraße benannten.

Markus lässt das deshalb kalt, weil er – aus Erfahrung klug – weiß, daß ohne Vorwäsche auch ein vor erst 3 Stunden Geduschter nicht so ohne Weiteres sauber zu bekommen ist im Sinne von rein. Höchstens nass.

Die Vorwäsche versteht sich deshalb nicht nur im Dampfstrahlen, wodurch der Verschmutzung Grobheiten vom Lack katapultiert werden, um in der Feinwäsche auch kleine Kratzer in wertvollen Oberflächen zu verunmöglichen. Sondern Markus geht ins Detail, indem er mit einer feinen, langen, schwarzhaarigen Handbürste all jene Stellen behandelt, von denen er weiß, dass sie außerhalb der Fähigkeiten des automatisierten Waschens liegen.

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Damit der Qualität der Oberflächen kontinuierliche Genugtuung zukommt, ist es auch an ihm, die Waschstraße selbst in hygienischem Optimum zu halten. Auch die Zyklen der Nachbefüllungen mit Reinigungsmitteln zu überwachen obliegt dem Mann mit der dunklen Brille. Die Anlage selbst läuft an sich autark, indem sie das Waschwasser via Filtersysteme selbstständig aufbereitet und wiederverwendet.

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Das führe zwar manchmal zu dem Ungenuß, dass es am Lack Spuren aufgetrockneter Tropfen gäbe, aber die Sauberkeit ist natürlich für Flecken am Empfänglichsten.

Markus ist Routinier, denn seit bereits 13 Jahren betreut er hier die Aufbereitung der Autos, die nach einer Behandlung in den VOWA-Hallen in feinstmöglichem Zustand den KundInnen zurückgegeben werden möchten.

Im umgekehrten Falle werde ein Auto aber deshalb durch die Waschstraße gezogen, weil Mechaniker einen sauberen Lack für die optische Einschätzung eines Schadens begehren und die LackiererInnen fordern zurecht eine beinahe chirurgisch-sterile Darstellung für ihren Ansatz zur Heilung, erzählt Markus.

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Insofern ist die Piazza San Marco ein sehr besonderer Ort. Markus selbst weiß das am Besten, denn die Waschstraße gibt es erst seit 5 Jahren. Davor handelte es sich um ein Waschportal, das aus logistischer Sicht ungleich schwieriger zu bedienen war als die Situation im Jetzt. Es sei ein komplexes Manöver des Ein- und Ausfahrens inklusive langer Warteschlangen gewesen und Markus ist froh, seine Arbeit nun nicht mehr im Stau stehen sehen zu müssen.

Nein, das sei jetzt alles gut und das auch deshalb, weil Markus ein Kabäuschen neben der Waschstraße hat. Darin befindet sich ein Kühlschrank, ein Tisch zum Jausnen und vor allem das Radio. Er muss auch nicht mehr im Regen stehen und selbst wenn Markus meint, er sei nicht aus Zucker, führe man ihn mal an den Markusplatz in Venedig, wo Heulsusen schon beim ersten Tropfen unter die Arkaden fliehen.

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Auf seiner Piazza kommt sowas nicht vor, denn das Hauptelement einer Waschstraße ist das Wasser in flüssigem Aggregatzustand, nicht jedoch in Form von Eis. Die Ein- und Ausfahrtbereiche verfügen nämlich über eine Bodenheizung, damit sich die Wilden von der VOWA im Winter untereinander nicht im Wegdriften messen.

In freien Minuten kümmert sich Markus um alles andere Mögliche auch noch. Ein Tausendsassa, dem das Mitmenschliche genau so wichtig ist wie seine Tätigkeit an sich auf seinem Platze, der sich ganz der Reinlichkeit der Designkultur hingibt. Ein Schmäh aber geht sich immer aus!

PS.: Selbstredend wird auch dem Innenraum der Autos Aufmerksamkeit geschenkt: Dazu mehr aber ein Andermal.


Fotos & Text © Peter Philipp 2018