Der Q8 ist ein kostbares Auto und diese Behauptung kann man nachvollziehen, wenn man mal beiläufig in der VOWA vorbeikommt und die Sitzprobe macht. Die Wertigkeit zieht sich von außen nach innen, sie ist in der Durchdringung des Autos konsistent und möchte geschätzt werden, indem man sie nicht durch Fingerabdrücke oder Verschmutzungen jeglicher Arten mindert.

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So ist man geneigt, ein sanftes Putztuch für die Touchscreens und die empfindlichen Oberflächen im Sakko mitzuführen. Staub im Innenraum kommt einer optischen Verwüstung gleich, weshalb die gepflegte Besitzerschaft die Fenster, die (rahmenlosen!) Türen oder gar das Panorama-Glasdach nur dann kurz öffnet, wenn das Auto ruht und völlige Windstille herrscht.

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Der äusserliche Staub lagert sich aus aerodynamischen Gründen vor allem auf der Heckscheibe ab. Die Betätigung der Scheibenwaschanlage führt dazu, dass ein feinstoffliches Rinnsal entsteht, das sich in die dreidimensional gestaltete Rücklichterlandschaft vorarbeitet.

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Zusammenfassend: Es drängt sich nicht als erster Gedanke auf, den Wagen ins schwere Gelände zu entbehren, um ihn dort entweder zu verdrecken, zu ruinieren oder beides. Nein, man hat hier ein teures Juwel und die Garage ist der Tresor. Und einmal täglich wird er abgestaubt.

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Audi denkt das Thema des perfekten Zustandes sehr viel gelassener an. Ein glänzender Allrader könnte nämlich auch ein Mißverständnis sein und so ruft man uns zur Mountain Experience. Denn für Audi sind die Quattros ja kein Lifestyle-Gimmick, sondern eine handfeste Kampfansage an jede Geländeformation, die sich ihnen in den Weg stellt. Deshalb führt man uns dorthin, wo die Q weidet, nämlich auf den Berg und im konkreten Fall nach St. Anton am Arlberg, wo ein paar Q8 in Drachenorange und Galaxisblau aufgefädelt für den Unfug bereitstehen.

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Audi wird uns hier etwas Wichtiges zeigen. Nämlich, dass diesem Auto (und uns in ihm) nichts passieren kann, egal wo. Es ist ja tatsächlich so, dass der Q8 mit der Armada seiner ihm inneliegenden Assistenzsysteme sich selbst vor den Unwägbarkeiten des Menschen bewahren kann, aber gegenüber den Gemeinheiten einer bedrohlichen Natur?

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Dass der Q8 überall raufkommt, ist nun nicht die große Überraschung. Ausserdem hat er sehr kurze Überhänge für ärgere Böschungswinkel. Die Einstellung des Fahrwerks ist auf offroad justiert und das Auto pumpt sich per Luftfederung um die paar Zentimeter, auf die es manchmal ankommt, in die Höhe. Mit max. 254 mm Bodenfreiheit steht er sogar höher als der VW Amarok, Der Allradantrieb selbst hat einen glaubwürdigeren IQ als so mancher Bundestag, sieht damit die Lage sehr realistisch und reagiert kompetent. Fährt man steil bergauf und der Wegverlauf geht ins Flache oder ins Gefälle über, so sieht man ja nur die Motorhaube, aber nicht, wohin es ginge. Im Q8 schaltet man sich hier die Frontkamera aufs Display und erkennt, was man sehen wollte, nämlich, wo es weitergeht.

Das Bergabfahren indes ist neue Physik. Was wir einst darüber gelernt hatten, scheint mit dem Q8 seine Gültigkeit verloren zu haben: Wird es sehr steil und/oder sehr rutschig oder gar weich, wie zB die Rückseite einer Sanddüne, so lege man in der Untersetzung den 1. Gang ein und gebe Gas. Nur so ließe sich die Fahrtrichtung der Fuhre noch beeinflussen.

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Der Q8 macht genau das Gegenteil, denn er bremst. Die Bremslichter gehen während einer solchen Bergab-Passage auch nie aus, dennoch bremst er nie alle vier Räder die ganze Zeit über ab, sondern traktionsbezogen nur jene, die für die Verzögerung zur Verantwortung gezogen werden können, während ein anderer Assistent konsequent das Tempo hält, das man ihm vorgegeben hat: Die Konzentration des Fahrers richtet sich also ganz auf den Weg.

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Und jetzt schauen die Autos aus, dass der Dampfstrahler juchezt so wie die zwei Herrn in Tiroler Lederhosen mit Ziehorgel, Gitarre und volkstümlicher Folklore, die das Mittagessen mit ihrer Kunst offensiv untermalen

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Auf Asphalt gibt der Q8 den A8 nach einem Jahr konsequenten Bodybuildings. Mit dem 286 PS-Sechszylinder ist er aufgrund seines hohen Gewichtes zwar nicht massiv übermotorisiert, aber mehr als ausreichend und dabei mehr als kultiviert. Die Allradlenkung macht ihn wendig wie einen Buggy und die Luftfederung nivelliert die Insassen über alle Unebenheiten erhaben und in Ruhe hinweg. Es könnte ein kurzer Weg sein von der Verzückung über das Verfallen hin zur Sucht des Q8-Fahrens, doch ein langer in der Ratenzahlung.

Man könnte sich statt des Q8 in der Ausstattung unseres Testautos auch 4,5 kg Gold zulegen, aber spätestens dann würde man erkennen, wie sicher dagegen die Berg- und Talfahrten mit einem Q8 sind. Da hat man den Kurs sozusagen in der Hand!

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Text & Fotos © Peter Philipp 2018