Jeder Hersteller hat seine eigene Formensprache in der Gestaltung seiner Autos. Die Herausforderungen sind einerseits das Übertragen der Designlinie auf die gesamte Produktpalette, was insofern nicht ganz so einfach ist, wie man denkt, weil die Autos über sehr unterschiedliche Bauweisen verfügen. Audis Portfolio zum Beispiel reicht vom Kleinwagen bis zum SUV und der A1 muss genauso auf den ersten Blick als Audi erkennbar sein wie der Q7 oder der A8. VW muß diese Disziplin sogar bis in den Nutzfahrzeug-Bereich hinein beherrschen.

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Viel leichter hat es da ein Unternehmen, das sich auf ein Fahrzeugsegment spezialisiert und über die Freiheit verfügt, in diesem nach Gutdünken wüten zu dürfen. Seit die Reichen immer reicher werden, sprießen die Supersportwagen wie die Löwenzähne im Frühling – aber es gibt noch die Altehrwürdigen wie etwa Lamborghini, die seit bereits 55 Jahren an ihrem Œvre arbeiten.

Lamborghini pflegt in diesen Tagen ein sehr bizarres Design und wir meinen damit nicht die Gestalt ihrer Traktoren.

Seit Lamborghini damit begann, Lambos zu bauen, um den Schachteln von Ferrari (aus Sicht des Gründers Ferrucio Lamborghini) etwas Würdiges entgegenzusetzen, wurde die Welt reicher an automobiler Schönheit. Man denke an den Miura, den Espada, den Urraco, Jarama, Jalpa, weniger an den 350 GT vielleicht, vor allem aber an den Countach von Marcello Gandini, dessen Entwurf bis zum heutigen Tag das Design aller nachfolgenden Lamborghinis prägt.

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Niki vor dem Ur – Countach.

Nach dem Intermezzo des Diablo, der formal ein wenig ins Vulgäre gefahren war, kam mit dem Murciélago und dem Gallardo ein neuer Wind auf und die Radikalität in der Zuspitzung der gestalterischen Themen Trapez, Wabe und Fläche finden im aktuellen Aventador wohl einen zwischenzeitlichen Höhepunkt, was auch die Audi-Designer inspiriert zu haben scheint.

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Louise unterwandert ein Cabrio.

Es lässt sich an den Autos betrachten, wie puristisch die Linien gezogen sind, um auf ein brachiales Ganzes hinauszulaufen, das strukturiert zerklüftet ein beeindruckendes Spiel des Lichtes eröffnet.

Und gerade im Detail wirken diese Formen sehr spannend:

 

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Nun bringt Lamborghini aber nach dem legendären LM002 sein zweites Auto über Hüfthöhe, nämlich den Urus und wie schon erwähnt muss die Formsprache auch bei so einem Trumm funktionieren. Sie funktioniert, nicht?

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Der Urus, 2015 in noch musealem Kontext….

 

Text & Fotos © Peter Philipp 2018