„Der Anfang aller Kunst ist die Liebe. Wert und Umfang jeder Kunst werden vor allem durch des Künstlers Fähigkeit zur Liebe bestimmt.“ (Hermann Hesse)

Lack in Verbindung mit Frauen verortet man chauvinistisch korrekt in einem Kosmetik-Salon. Das behutsame Schmücken von Finger- und Zehennägeln ist aber nicht jederfraus Sache. Aber weil das klassische und bequem gewohnte Frauenbild unter Unregelmäßigkeiten zu leiden beginnt, fragt der Mann lieber noch mal nach: Warum genau sind Jasmin und Tatjana Lackiererinnen in der VOWA?

„Warum nicht?“ kommt als Antwort spontan retour und lässt keinem Zweifel Luft, dass die Mädels aber auch nur irgendeinen Bedarf haben, sich erklären zu müssen. Dass womöglich die Frage recht dumm gewesen sein könnte, wäre natürlich auch eine Option, aber sie war dem Beweggrund gewidmet und deshalb legitim. Es werden ja auch Männer Lackierer….

Jasmin und Tatjana verfügen über ein natürliches Selbstverständnis bezüglich ihrer Tätigkeit und strahlen das auch aus. Sie erscheinen als zufriedene, geerdete Menschen, die anhand ihrer Profession fündig geworden sind.

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Tatjana

 

Aber trotzdem: Warum Werkstatt? Man kann ja auch maturieren und studieren oder Kosmetikerin werden. Nun, Tatjana war schon als Kind nicht der Typ Frau, die Puppen frisierte, sondern lieber dem Vater im Betrieb half. Und jetzt ist sie bereits im dritten und letzten Lehrjahr bei der VOWA. In dieser Zeit war sie dreimal für zwei Monate in Salzburg, um die Berufsschule zu absolvieren und findet es extrem nett von der VOWA, die Kosten hierfür übernommen zu haben.

Tatjana stammt aus Matrei in Osttirol, gerade mal 10 Auto-Minuten weg von Virgen, woher Jasmin kommt. Dass die beiden die gleichen Nachnamen haben, ist ebenfalls Zufall, auch wenn sie anmerken, dass praktisch alle dort so heißen. Jasmin hatte aber im Gegensatz zu Tatjana ihre Ausbildung zur Karosseriebau-Technikerin (Spenglerin/Lackiererin) bei einem Volkswagen-Händler in Osttirol gemacht. Kennengelernt haben sich die beiden in der VOWA, wo Jasmin nun seit einem knappen Jahr tätig ist.

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Jasmin

Da die VOWA doch ein ziemlich großer Betrieb ist, waren die jungen Kolleginnen jeweils ziemlich überrascht vom angenehmen Betriebsklima hier und fühlen sich mittlerweile ziemlich wohl. Gerade in der Lackiererei harmoniere man sehr gut miteinander, man habe Respekt, wenngleich man als Frau nicht auf den Mund gefallen sein sollte, um dem männlichen Schmäh ihrer sechs Kollegen kontern zu können. Wichtiger aber sei, den Schmäh rennen zu sehen und Spaß dabei zu haben.

Die beiden wollten sehr bewusst in einen „Männerberuf“. Jasmin hatte eine Ausbildung zur Verkäuferin begonnen und fand sich in einer Klasse ausschließlicher Weiblichkeit wieder. Sie hielt das Gezicke, wie sie sagt, nicht sehr lange aus. Hier, unter kultivierten Männern, dürften auch sie mal rumzicken, wie sie sagen, und außerdem sei alles sehr, sehr entspannt! Insofern erweist sich auch die Nachfrage, ob es sie in einen anderen Betrieb ziehen würde, als ziemlich dumm…….

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Zu lackieren – und wer es mal versucht hat, wird hier laut zustimmen – ist alles andere als einfach und es ist auch nicht so, dass man es nach ein paar Versuchen könnte. Nein,  stattdessen steht man vor der Herausforderung, das Gefühl für die richtige Menge an Farbe entwickeln zu sollen, die man aufträgt und wie man sie aufträgt. Üble Konsequenzen unfachgerechter Herangehensweisen sind raue Oberflächen, motivierte Rinnsale und Farbnasen, die als nicht tropfende Tropfen von der Karosseriekante hängen.

Aber auch die Vorbehandlung durch das Schleifen muss so perfekt sein wie das Detektieren des richtigen Farbtones. Aller Anfang soll nicht ganz leicht gewesen sein und vor allem mussten sich beide daran gewöhnen, den Großteil des Tages auf den Beinen zu sein. Zuvor waren sie als Schülerinnen jahrelang Teil eines sitzenden Milieus gewesen.

Jetzt aber ist dies nicht mehr der Rede wert und wenn man mit viel Geduld, Durchhaltevermögen und Liebe zur Tätigkeit eine so hohe Kompetenz entwickelt hat wie Jasmin und Tatjana, dann beginnt der Spaß an der Arbeit: Je größer die Herausforderung (also je größer der Schaden), umso lieber, einerseits.

Auf der anderen Seite aber einen kleinen Kratzer an einem Neuwagen perfekt beseitigt zu haben, sei auch ein tolles Gefühl. Und das Beste kommt dann, wenn die Autos aus dem Trockner kommen, die Abdeckfolien beseitigt werden und sich nach der Politur zeigt, dass das Ergebnis unsichtbar geworden war: Man sieht nichts mehr vom Schaden, auch nichts vom Eingriff. Keine Narbe bleibt von der OP und das ist der verdiente Lohn der Mühe, der kunsthandwerklichen Arbeit und der darin versteckten Liebe. „Denn: Ohne die Liebe ist alles nichts.“ (J. W .v. Goethe)

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Übrigens: Wer in ein sehr liebes Team kommen möchte und ebenfalls Liebe zur Farbe und zum kunsthandwerklichen Tun hat, bewerbe sich genau jetzt bei der VOWA! Denn genau jetzt gibt es eine offene Stelle und diese Chance kommt nicht allzu oft!

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PS.: Es gibt eine Farbe, die mit Abstand die Beliebteste ist: Blau!

36% aller Damen und 40% der Herrn schätzen sie am meisten. Für das Auto gilt das indes nicht, denn hier entscheiden sich nur 10% der KäuferInnen für Blau. Die trendigsten Farben sind nach wie vor Weiss (25%),  Schwarz (21%), Dunkelgrau (20%) und Silber (11%).


 

 

Fotos & Text © Peter Philipp 2018