Von außen betrachtet öffnet sich manchmal eines der Tore zur Werkstatt, ein Auto fährt heraus, ein anderes hinein und das Tor schließt sich wieder. Dann tut sich für eine gefühlte Ewigkeit nichts, bis jenes oder ein anderes Tor wieder hochfährt und sich das Szenario wiederholt. Nichts deutet darauf hin, dass diese kleine Werkstatt mit den vier Hebebühnen ein wahres Kraftwerk ist.

Die nämliche Werkstatt liegt zwischen der Piazza und den Musketieren, verfügt über drei Tore, denen gegenüber eine Armada an Autos aller Marken aufgefädelt der Behandlung harrt wie im Wartezimmer einer praktischen Ärztin. Es handelt sich um Gebrauchtwagen, und ihr weiteres Schicksal wird sich in der Werkstatt entscheiden……

Sie werden nämlich von kundigen Augen begutachtet werden. Die Autos stammen von KundInnen, die sich wahrscheinlich gerade auf einer Probefahrt befinden mit dem Wagen ihres Begehrens und dem Verkäufer ihres Vertrauens. Zirka eine Stunde beträgt der Zeitrahmen für die Begutachtung, welche von den routinierten KFZ-Profis Markus und Stefan durchgeführt wird: Mit Kugelschreiber und Papier, oder, um genau zu sein, mit Tablet und Stift umkreisen sie die Autos, scannen dabei jeden Quadrat- und Kubikzentimeter und jedes Bauteil auf Schäden oder Verschleiß. Am Ende kommt die immergleiche Frage, nämlich, ob es denn rentabel sei, das Auto herzurichten und auf dem Platz vor Ort zu verkaufen.

Sollten die Reparaturen zu kostspielig sein und keine nennenswerte Marge mehr lukriert werden können, tritt Plan B in Kraft: Das Auto wird fotografiert und zusammen mit einem Testbericht auf die Internet-Plattform B2B gestellt, wo ausschließlich Händler den Wagen schließlich ersteigern können – entweder zum Verkaufen oder auch zum Ausschlachten.

Pro Jahr sind das 500 bis 600 Autos, wodurch ca. 1000 Autos Plan A folgen, nämlich in die bestmögliche Façon gebracht zu werden. Somit verkauft die VOWA im Schnitt 4 Gebrauchtwagen pro Tag!

Das Erstaunliche an der ganzen Sache ist, dass für die Begutachtung, die Dokumentation von 1600 Autos und für die Reparaturen an 1000 Autos pro Jahr kein Heer an Sachverständigen und Mechanikern abgestellt ist, nein, es handelt sich auch nicht um ein grösseres Team. Es ist ein eher kleines Grüppchen, oder, um ganz genau zu sein: sie sind zu viert. Die erwähnten Begutachter Markus und Stefan und die beiden Mechaniker, Daniel und Marco.

Das Quartett setzt sich folglich nicht aus leidenschaftlichen Kaffeetrinkern oder Kettenrauchern zusammen, sondern bildet einen Organismus, der auf Teamwork ausgelegt ist. Da es nicht immer nach Plan läuft, müssen auch manchmal die Begutachter als Mechaniker einspringen, was kein Problem darstellt insofern, weil sie Meister ihres Faches sind.

Ihre eigentliche Arbeit steht dann jedoch still und es bedarf eines ziemlich absurden Maßes an Flexibilität, den beinahe ebenfalls absurden Output von tausend Autos pro Jahr trotzdem zu bewerkstelligen. Dazu kommt, dass es auch noch unerwartete Nachreparaturen geben kann wiewohl unerwartete Krankenstände und erwartete Urlaube.

„Man muss die Arbeit, die man zu tun hat, sehen können“, meint der Markus. Selbstständiges arbeiten, gut eingeteilte Abläufe und eben Teamwork seien die Garanten für ein Funktionieren. Die Lagebesprechung um 7:30 morgens versucht einem jeden Tag eine Struktur vorzugeben. Dennoch stellt sich zumeist eine Realität ein, in der so kreativ improvisiert wird wie in einer hochprofessionellen Jazzband.

Letztlich muss ja alles am Auto passen, denn jeder Gebrauchtwagen wird mit einer Garantie ausgeliefert. Die Gentlemen des Kraftwerks garantieren sozusagen die Garantie – und das 1000 Mal im Jahr!

Text & Fotos © Peter Philipp 2019