Der amtierende Landeshauptmann Tirols ist ein wirklicher Tiroler. Nicht so wie van der Bellen, ebenfalls ein Tiroler, hat er einen original tirolerischen Namen, spricht ausnehmend perfekt Tirolerisch, spielt angeblich sogar noch perfekt Tenorhorn und wurde der perfekte Nachfolger eines gewissen van Staa. Als Oberhaupt des stolzen Tiroler Volkes verkündete Günther Platter am 27. Oktober 2017 Tirol zu einer von Österreich unabhängigen Republik.

Nun, das stimmt so nicht ganz, denn die Tiroler sind zwar stolz und wehrhaft, würden aber einen solchen Schritt nie gehen. Grenzwartezeiten mitten im Arlbergtunnel oder am Pass droben im Schneetreiben wären dann doch jedem Stolz abträglich.

Die Katalanen allerdings sind eine Spur noch stolzer als die Tiroler ManderInen und haben am 27. Oktober 2017 genau das getan: Sie erklärten sich von Spanien unabhängig.

Seat ist eine Abkürzung und heißt auf Deutsch „Spanische Gesellschaft für Pkw“ (Sociedad Española de Automóviles de Turismo). Würde man in diesem Namen berücksichtigen, dass das Hauptwerk Seats in Martorell nahe Barcelona liegt, also (aus katalanischer Sicht) nicht in Spanien, sondern in Katalonien, so würde das Unternehmen Scat heißen (Sociedad Catalunya de Automóviles de Turismo).

Und wo wir gerade bei Namen sind: Seat huldigt seit einiger Zeit der Schrulle, seine Autos nach Örtlichkeiten in Spanien zu benennen. So liegt das Örtchen Ateca in der Provinz Saragossa, die Stadt Leon in Kastilien, die Stadtburg Alhambra in Andalusien, das Städtchen Arona auf Teneriffa und die Insel Ibiza gehört zu den Balearen. Allein der kleinste Seat tanzt hier aus der Reihe: Der Seat Mii trägt die Bezeichnung eines Avatares von Nintendo und das wäre im tirolerischen Äquivalent der Kleine, der die große Trommel zieht.

Auffällig in der Aufzählung der Namen ist, dass die gewählten Orte über das spanische Imperium verteilt sind, aber kein Ort in Katalonien liegt, wo doch der katalonische Stolz im katalonischen Martorell beheimatet ist, vor allem seit dem 27. Oktober 2017.

Katalonien war übrigens nur für einen kurzen Lufthauch unabhängig, denn sofort setzte man die katalanischen Hofers und Speckbachers ab, wodurch alles wieder so wurde wie gehabt, nur dass es in Katalonien nun fünf vor 1809 ist.

Möglicherweise ist es dem politischen Geplänkel geschuldet, dass der neueste, grösste und beste Seat in der Geschichte des Unternehmens einen alten katalanischen Namen trägt, nämlich jenen der antiken Stadt Tarraco, vormals Hauptstadt der römischen Provinz Tarraconensis. Heute heisst die Stadt Tarragona und selbige ist in etwa so groß wie Innsbruck. Tarraco selbst existierte vor bereits 2000 Jahren und die architektonischen Ensembles aus der Römerzeit zählen heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Den Namen Tarraco selbst hatte Seat wählen lassen, nämlich durch eine Umfrage unter más o menos 150.000 Entusiasta und die Frage bleibt offen, wer für den antiken Namen und auch im zeitgleich stattfindenden Referendum für die Unabhängigkeit Kataloniens gestimmt hatte. Die anderen drei Namen, welche zur Wahl standen, waren natürlich ebenfalls Orte, aber nicht in Katalonien, wodurch der Tarraco der erste Katalane namentlich bei Seat….

…..wäre, aber letztlich ist das aber alles irrsinnig unwichtig, denn der Tarraco ist ein perfektes Auto aus dem Volkswagen-Konzern und ähnlich katalanisch wie ein Günther van der Platter tirolerisch: er wird nämlich, gemeinsam mit dem VW Tiguan, in Wolfsburg gefertigt.

Und selbst dieses Faktum ist unwichtig, wenn man einen Tarraco hat (im Idealfall den 190 PS-7-Gang-DSG-Allrader). Mehr an Auto braucht kein Mensch. Kraft genug, Traktion perfekt, Komfort gegeben, Platz Ende nie und, so man will, 7 Sitze. Ein Lebensabschnittsbegleiter von männlicher Physiognomie, sonst aber durchwirkt von weiblichen Tugenden wie Praktikabilität, Sparsamkeit, Variabilität, Ratio, Logik et cetera. Der Innenraum duftet, die Haptik schmeichelt und die äußere Ästhetik erfüllt höhere Ansprüche an die Wagenbaukunst.

Wäre nun Katalonien Tirol und wir hätten einen Autobauer wie Seat im Lande, nach welchem Ort würden wir wohl unser neuestes Auto benennen?

Fotos & Text © Peter Philipp 2019