Eigentlich hätte man es feiern können, sollen oder müssen, aber das Bewusstsein für gewisse runde Geburtstage überdauert nicht jedwede Zeitspanne. Außerdem ändern sich manchmal die insgesamten Umstände, was in unserem vorliegenden Fall mit Gewissheit so ist und weiters kann man es in der Vergangenheit auch gar nicht mehr so genau sagen. Ausserdem wurden die Geschäfte stets unter Männern abgeschlossen, die ja sogar in der Lage sind, ihre eigenen Hochzeitstage zu vergessen.

Es wird nämlich so ziemlich genau, eher etwas länger, 60 Jahre her sein, dass die Fahrschule Harm seine ersten Fahrzeuge von der VOWA bezogen hatte. Herr Walter Harm Senior kannte Herrn Klocker recht gut und so kugelten bald die ersten Fahrschüler in blassblauen VW Käfern über die Straßen von Innsbruck und Umgebung.

Walter in den 90ern bei einem Melker Kollegen (Foto © easy drivers)

Die Fahrschule Harm wurde 1955 gegründet, 1954 kam die VOWA in die Gänge und der gemeinsame Weg dauert bis zum heutigen Tage an. Damit ist die Fahrschule Harm (bzw. die easy drivers) wohl die älteste Stammkundin der VOWA. Rundherum allerdings hat sich ziemlich viel verändert, was die Rahmenbedingungen betrifft und das nicht allein bei der VOWA.

Walter Harm, Sohn des Begründers, gelernter Maschinenbauer mit starkem betriebswissenschaftlichem Hintergrund, machte sich schon früh Gedanken über das Geschäftsmodell der kleinen und für die Kundschaft dazumal günstigste Fahrschule Innsbrucks. Um sich wirtschaftlich zu erheben und anteilsmäßig größere Rollen zu übernehmen, würde es professionelle Werbung beanspruchen. Und um sich diese gar leisten zu können, müsste man die kleingewerblichen Strukturen verlassen, erkannte Walter im Prozess der substanziellen Modernisierung des Unternehmens.

Golf 3 – Armada vom letzten Jahrtausend (Foto © easy drivers)

Mit dem Ideal der sinnhaften Kooperationen aquirierte Walter auf brancheninternen Zusammenkünften auf eigene Faust mögliche Gesellschafter, um seine Idee der easy drivers zu verwirklichen: Eine Franchise-Unternehmung mit dem Ziel, durch die gemeinsame Stärke wachsen zu können. So kam es auch. Die easy drivers wurden 1994 gegründet und legten 1995 mit 10 Teilhabern und 19 Standorten in ganz Österreich los.

Um noch mehr Partner ins Boot zu holen, hatte sich Walter in den Kopf gesetzt, Werbung über das Radio machen zu wollen. Damals gab es aber noch keine Privatradios, dafür den alles beherrschenden Ö3. Die Sache kostete eine Lawine, fand aber statt, weil man es gemeinsam finanzieren wollte und konnte!

Man kann auch BusfahrerIn werden (Foto © easy drivers)

Die Werbung wirkte und immer mehr private Fahrschulen schlossen sich dem gemeinsamen Gedanken an. Heute hält easy drivers bei 53 Standorten in Österreich und einen in der Schweiz, gemeinsam führen sie über 20.000 FahrschülerInnen pro Jahr erfolgreich durch die Führerscheinprüfungen.

(Anmerkung: Das Wort „Führerschein“ klingt so wie „Kotflügel“ oder „Armaturenbrett“ oder „Spritzwand“ heutzutage eher schräg und ist tatsächlich ein Determinativkompositum aus den Substantiven Führer und Schein. )

Dies ist der erste in Innsbruck ausgestellte Führerschein (1906 für Gottlieb Wiederkehr)

Vom Mofa über den Berufskraftfahrer bis hin zur Motorbootschule reicht das Kursangebot der easy drivers und sogar eine Fahrradschule ist in das Gesamtkonzept integriert. Auf die Frage, ob denn auch die Mobilität zu Luft in seine Fahrschule einziehen könnte, meint Walter: „never say never“. Das Online-Trainingssystem für die Berufskraftfahrer auf der Homepage stammt technisch übrigens aus der Luftfahrt, merkt er an….

Mag. Walter Harm (Foto © Peter Philipp)

Walter Harm selbst führt übrigens ein Doppelleben, indem er zusätzlich den Helbling-Verlag leitet und damit das Vermächtnis seiner Mutter Elvira weiterführt. Dieser Verlag ist nicht allein affinen MusikerInnen seit jeher der Inbegriff des Notenverlages, sondern auch bei Schulen und PädagogInnen für dessen Unterrichtsmaterialien beliebt.

Als musischer Mensch schätzt Walter Harm über die Stille hinaus den Klang gewisser Motoren besonders, weshalb über die Jahre ein paar Exemplare von Fahrzeugen mit diversen und akustisch attraktiven Zylinderzahlen (u.a. V10!) zusammenkamen, die obendrein auch noch ziemlich gut aussehen. Am ältesten ist ein Auto wiederum väterlichen Vermächtnisses und von tschechischer Herkunft. Es klingt nicht wie ein V10, sondern wie ein Teil der Karpaten und hört auf den Namen Tatra!

Walter im Wagen seines Vaters: Tatra 75 Cabrio! (Foto © Walter Harm)

Dieser kostbare Oldtimer fährt angeblich tadellos, dennoch präferiert Walter eher die Autos aus deutscher Manufaktur und das auch für seine Fahrschule in Innsbruck:

Erst kürzlich war Walter wieder einmal in der VOWA gesichtet worden, als er bei Martin für seine FahrschülerInnen ein paar Preziosen erwarb.

Q2 S-Line quattro (Foto © Walter Harm)

Weil ein Fuhrpark ja nicht allein von hoher Qualität sein soll, sondern auch schön sein darf, wählte er die Q-zweis in der S-Line. In solch einem Auto macht man den Führerschein umso lieber und hier ein Tipp an die ElevInnen: Achtet bei der Frage, wo man bei diesem Wagen die Schneeketten anzulegen hat, darauf, ob irgendwo quattro steht. Denn auch Fahrlehrer haben gerne ihren Spaß!

Wer weiß es?

Text © Peter Philipp 2019