Sämtliche in Europa verfügbare Wolken ziehen sich am 30. April 2019 über Steyr zusammen, um sich gemeinsam vorsätzlich gehen zu lassen. Dennoch rechnen wir damit, dass für uns gleich die Sonne scheinen wird im Erblicken eines fast fertigen Alpenwagens. Vor bloß zwei Wochen war er ja noch quasi nackt:

In gespannter und von kindlicher Vorfreude drapierter Neugierde steuern wir durch die wettergewordene Frechheit auf die Nell´sche Bude zu. Wir sind eine Stunde zu früh vor dem Hauptbesuch da, um uns von freudiger Erregtheit infizieren zu lassen. Beim Betreten der Werkstatt pochen unsere Herzen vor Erquickung.

Chris steht neben dem Alpenwagen in kaiserlicher Pose: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!“ (Pippi Langstrumpf).

In der Werkstatt geht es zu wie in einem Schauspielhaus vor der Premiere. Der Lackierer kniet neben dem Wagen mit einem Putzhuder und entfernt akribisch Fingertapper, Staub und Staufferfettreste. Chris und Sohnemann verfrachten währenddessen die Batterie in eine edle Schatulle, die unverkabelt auf ihrem vorgesehenen Ort – dem Trittbrett – platziert wird.

Es herrscht eine Atmosphäre, die dem Mistwetter draußen diametral gegenübersteht: Lichterloh ist die Stimmung und alles ist gediehen, steht in Blüte und möchte gekostet werden.

In einer Stunde wird Ernst Piëch da sein, um seinen Wagen zu begutachten und um Fragen zu Entscheidungsfindungen zu beantworten: Wohin mit den Bedienungselementen, dem Typenschild etc. und das Probesitzen ermöglicht den Konstrukteuren auch die Justierung des außenliegenden Ganghebels und der Feststellbremse.

https://videopress.com/v/ha4gzDEe

Nach dem formellen Teil lädt Chris noch zum Wirten ein und Ernst erzählt unterhaltsame Geschichten aus alten Zeiten („Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung„. (Kaiser Wilhelm II (1850-1941))).


Nach dieser Episode gehen die Arbeiten am Wagen in das sehr intensive Endstadium. Nur noch ein Monat verbleibt bis zum Gaisbergrennen, Motor und Getriebe bereiten noch Probleme und die besprochenen Details harren noch der Umsetzung. Noch und Nöcher also wird den Mai 2019 zu einem Rennen gegen das stehende Auto erheben und die Proponenten gehörig unter Druck setzen.


Und so fliegt der Mai vorbei, während sich das Wetter nur darin treu bleibt, noch schlechter werden. Doch rechtzeitig zum Gaisbergrennen hin beginnt es einen entscheidenden Hauch aufzuklaren und die Temperaturen hören damit auf, sich gewaltsam gegen den Sommer zu stemmen, wenngleich halbherzig. Chris wusste vor sieben Tagen nicht, ob der Alpenwagen dort sein würde, denn zur Zeit stünde er bei Josef, der mittles mantrischer Gebete auf das Getriebe und das Kardan einrede.

Josef (auf den Bildern in Gelb) ist ein erfahrener Techniker, aber manche Dinge brauchen manchmal mehr an Zeit, als bis zu einer Totlinie enthalten ist. Wir rechnen also nicht damit, den Alpenwagen im Schloss Mirabell vorzufinden, reisen aber dennoch an, um Bekannte zu treffen wie die Donnerbüchse oder den 328er von Dieter Quester. Dieser begeht just an diesem Tage seinen 80er und anstatt huldigenden Gratulationen rennt der Schmäh. Immerhin oberhalb der Gürtellinie….

Beim Durchwandern der Parade automobiler Kostbarkeiten ist Porsche omnipräsent. Aber auch einige Austro-Daimler wurden aus dem Museum geholt!

https://www.youtube.com/watch?time_continue=75&v=O3bXbWQylX0

Wir schlendern durch die automobile Schatzkammer und laben uns an schnuckeligen Austin Minis oder am Sound arger Jaguars und Ferraris. Und siehe: Am äußersten Ende, ganz nahe dem Tor der Einfahrt, steht er da, Josef und Jakob (Geschäftsführer des Fahr(t)raumes) daneben: Der Alpenwagen! Tatsächlich.

Auf die Frage, wie das nun gegangen sei, meint Josef lapidar, dass der Wagen zwar hier-, aber nicht wirklich fahrbar sei. Dennoch sei er auf eigener Achse gekommen und die Fahrt soll recht abenteuerlich gewesen sein. Das Getriebe fuxt noch immer. Ernst Piëch nimmt die Sache gelassen und fährt die Rallye mit einem anderen AD: Dann halt nächstes Jahr.

Im Zusammenhang ist ein Filmchen entstanden, das rare historische Aufnahmen der Alpenfahrt von 1911 zeigt. Dazwischen aber sehen wir in Zeitraffersequenzen Chris und seinem Team beim Arbeiten zu!

https://videopress.com/v/OKe4lr1A

Nun steht der Alpenwagen im Museum und kann dort bestaunt werden:


Text & Fotos © Peter Philipp 2019