Ali sagt, er und seine Frau Bahar würden den größten Teil ihres Einkommens in das Reisen investieren. Das sei ihre große gemeinsame Leidenschaft und irgendwann die ganze Welt gesehen zu haben das hehre Ziel. Das Heimkommen sei aber des Reisens höchstes Glück. Deshalb lebe man halbwegs sparsam, jedoch gut und mit stets lässigen Plänen.

Derselbe Ali geht daraufhin eines Tages in die VOWA und kommt mit 20 Audi e-tron wieder raus. Bumm.

Und die Reisen? Wer ist dieser Ali überhaupt?

Alis Flotte.

Ali Ayhan erscheint in dynamischer Präsenz, flottem Auftreten, ausgezeichneten Höflichkeitsformen und bedacht auf sein Gegenüber. Seine Sprache ist unterländlerisch gefärbt dort, wo man einen türkischen Akzent erwartet hätte.


Ali ist vom Grund seines Wesens auf und von seiner Art in besonderem Maße dafür geschaffen, einen besonderen Beruf auszuüben, der ihn mit vielen Persönlichkeiten in Kontakt bringt und dazu, sich der Genesis eines besonderen Start-Ups zu verschreiben: Greenstorm.

Greenstorm ist neu und beim hochbeschleunigten Durchstarten. Ali war einer der ersten Mitarbeiter, was erst drei Jahre her ist. Das Unternehmen aus Kufstein expandiert im Rekordtempo (No. 6 der Start-Ups in Europa 2019) und duzt seine Gäste auf greenstorm.eu.

Ob das Usus sei, fragen wir wohlwissend um das langsam abebbende Sie ab Schwaz. Ja, meint Ali, so sind wir drauf, denn die Hirarchien seien sehr flach und niemand spiele sich auf.

Der hippe Lifestyle, der über die Texte gleich mitgeliefert wird, wirkt authentisch und konsistent, die jugendliche, aber keineswegs ländliche Attitüde wirkt auf charmante Weise ansprechend.

Denn eigentlich sagt ja niemand in irgendeinem Tiroler Tal Sie, also fühlt sich auch die Zielgruppe hanglägriger Hoteliers erreicht.

Die Geschäftsidee richtet sich zu einem Teil an die Hotellerie und die Idee dafür ist uncommonly smart. Sie beruht nämlich auf einem Handel, der im Grunde ein Tausch ist, aber nicht nur. Auch geht es um das Ideal einer Win-Win-Situation für alle Teilnehmer und der Verbreitung der e-Mobilität in (vorerst) Europa.

Lag bzw. liegt das Kerngeschäft in zuerst vermieteten und danach gebraucht verkauften E-Bikes, so kommt nun auch der Geschäftszweig im Automobilen hinzu.

Wie üblich nämlich: Ali fährt zum Hotel, dessen Hotelier Greenstorm angeschrieben hat, um sein Interesse am Tauschgeschäft zu bekunden: Er möchte gerne zB einen e-tron für seine Gäste zum Herumkurven zwischen den Ausflugszielen haben (hat ja was, der Wagen).

Ali: „In einem persönlichen Gespräch wird das Potenzial in dem jeweiligen Hotel analysiert und über Ideen gesprochen, wie man die Auslastung in dem Hotel erhöhen kann (und dabei auch ein Auto zu Grenzkosten finanziert). Je nach Produkt und Sternekategorie des Hotels tauscht Greenstorm ein E-Bike oder E-Auto gegen leerstehende Zimmer des Hotels“.

Und diese Zimmer werden von Greenstorm in Form von Gutscheinen an die Endabnehmer verkauft. Greenstorm liefert den Audi und sorgt für die Infrastruktur, den Service, aber auch für die Gäste, die ihn dann fahren können. Der Kunde finanziert sich also den Wagen also mit statistisch leerstehenden Zimmern.

Die Schlüssigkeit dieser Idee ist in ihrer Einfachheit beinahe heilig und nichts gibt es hinzuzufügen. Es muss funktionieren.

Und das tut es auch: „Ich geb Dir eine Dienstleistung und Du gibst mir Geld“ empfindet Greenstormer Ali als sowas von langweilig.

Als Ali begann, für das Unternehmen tätig zu werden, waren sie also zu fünft. Drei Jahre später arbeiten nun bereits über hundert Menschen mit und Ali, wenn er in die Zukunft blickt, vermutet umfängliches Franchising in aller Welt. Grösster Händler von gebrauchten Top-E-Bikes in Europa ist Greenstorm nämlich schon.

Nicht der Abschluss eines Vertrages interessiert Ali Ayhan im Wesentlichen, sondern das Erfahren von Menschen. Hier hilft ihm die Du-Mentalität, weil dadurch, und nicht nur innerhalb der Firma, auf Augenhöhe kommuniziert werden kann. Der im Gespräch erzielbare Profit für beide Seiten steht nämlich ohnehin außer Frage, was im Geschäftsmodell ja auch so vorgesehen ist.

Investment: Der SV Absam in Greenstorm-Dressen

Ali sagt, dass er vier Monate im Jahr nur mit dem Einkauf befasst sei. Über 200 e-Autos pro Jahr werden momentan eingekauft, wobei sich die Markenwelt noch etwas bunt zusammensetzt. Ali fokussiert sich auf die anscheinend wirklichen erfrischenden Partnerschaften mit der VOWA, Audi und der Porschebank und denkt, dass man sich in der Zukunft vielleicht auf einige wenige Marken konzentrieren werde.

Was momentan beim Start-Up Greenstorm geschieht: MitarbeiterInnen werden gesucht. Die Expansion passiert neue Momente und die Zeit versucht, sich selbst dahinterher zu kommen. Allein das gebotene Servicepaket für ein e-Auto ist gewaltig, was auch der Hotelier erkennt in der Einsicht, dass seine Unterschrift am Vertrag sein größter Aufwand geblieben sein wird.

Ali sagt ganz ehrlich, dass es seltene Engpässe im Service geben würde, aber erstens würden die Kunden informiert sein und zweitens: So geht Start-Up. Denn nur so soll es eigentlich laufen: Würde man den Aufwand locker stemmen können, weil das Interesse an Greenstorm in den Halbschlaf übergegangen wäre, würde man sich ein Finish ’n‘ Down nennen müssen.

In jedem Fall darf man sich freuen, dass coole, innovative Ideen für blühende Nischen sorgen, welche im Wiederwegdenken doch tatsächlich fehlen würden. Und so wird Ali wohl bald wieder mal Martin besuchen kommen, um sich beraten zu lassen und ihm ein paar e-trons abzuschwatzen!

PS: Danke an Ali für das angenehme Gespräch!


Fotos & Text © Peter Philipp 2019