Wir kommen nach Gröbming, dem Nabel der Rallye und hier direkt zum Check-in. Immer wieder rauscht ein edler Oldtimer zur technischen Abnahme an, dazwischen nagelneue Boliden des Hauptsponsors Porsche und auch Bentleys, die ja ebenfalls zu Volkswagen gehören.

Bentley GT neu

Es hängt der Duft unserer Kindheit in der Luft: Vergaserbenzin plus Plumbum ist bei den Menschen hier sehr beliebt, denn das gesamte Dorf, das für den zivilen Verkehr grösstenteils gesperrt wurde, ist auf den Beinen, um den Flair historischer Fahrzeuge inhalieren zu können.

Entspannter Trubel. Peter Kraus stellt sich in den Schatten. Strietzel Stuck kichert mit Jochen Mass. Dieter Quester notiert sich irgendwas und Wolfgang Porsche sucht mit seinem Porsche seinen Porsche (er wird auf einen 356er umsteigen), während ein anderer Porsche den Eingangsbereich schmückt.

Erfreulich ist die Anwesenheit einiger Tiroler und jene sind eigentlich immer dabei: Michael & Emanuel Deutsch aus Rum mit ihrem argen Jaguar E Competition mit 360 PS, Edi & Edi Junior Fröschl aus Hall mit dem 911 ST aus 1972 und Johann & Gabi Kofler aus Mutters, die mit ihrem Sunbeam Super Sport von 1930 am Start sind.

Es ist wolkenlos bei 38 Grad und es wird bis zum endlichen Gewitter des Abschlusstages so bleiben. So sind die PilotInnen auch der dachlosen Exponate für vier Tage ziemlich arme Schweine. Denn die Ennstal-Classic ist keine Vergnügungstour: An die 1000 Kilometer stehen am Programm, die gespickt sind mit teils geheimen Sonderprüfungen. Die Routen haben mit Sölkpass oder Stoderzinken auch einige Härteprüfungen für Mensch und Maschine auf Lager.

Schon am ersten Renntag, nach 403 Kilometern, sehen wir einen Jaguar-Piloten aus dem Wagen fallen, der völlig durchnässt sich wieder in Stehhöhe bringend mit zwölfzylindrig pulsierender Wirbelsäule auf uns zuwankend Abbitte für einen Schluck kalten Mineralwassers leistet. „Der Motor hat in seiner Heizleistung noch ein paar Grad draufgelegt auf die 38 draussen und wären wir durch einen Regen gekommen, so wäre das keine Abkühlung, sondern der Aufguss gewesen“, meinte er keuchend.

Der Juli soll der heißeste Juli seit Anbeginn der Messungen gewesen sein. War dann der Mai der kälteste? Nein, nur der drittkälteste Monat, übrigens… Auch der Freitag hat es in sich, denn am Red-Bull-Ring gibt es viel Asphalt, der gern heiss wird – dann glüht es von oben und unten.

Der Hotspot allerdings ist der Flughafen Niederöblarn: Sengend ohne ein Lüftchen, aber mit einer Flugshow und früheren Formel-Autos, bevor der 240-Auto-Tross der Rallye durchkommt. Mit dabei übrigens der antike Italiener Arturo Merzario (auf einem Abarth), der früher Formel 1 fuhr und übrigens jener Mensch ist, der Niki Lauda am Nürburgring aus dessen brennenden Wagen zog und ihm dadurch das Leben rettete.

Arturo Merzario, schnell.


Was das Flair der Veranstaltung ausmacht, ist die Stimmung und sie erinnert an die letztjährige Rad-WM bei uns, wo auch noch der nachkommende Mountainbiker mit schellenden Kuhglocken angefeuert wurde. In der ganzen Region herrscht ein symphatischer Ausnahmezustand, von Schladming bis hinauf nach Steyr werden die Sessel und die Sonnenschirme mitsamt Bierkisten an den Straßenrand gebracht und dann hockt man dort und winkt einem jeden Fahrzeug entgegen. Auch dem unseren. Trotz notwendigster Klimatisierung lässt man die Scheiben drunten, um Teil des Ganzen zu sein – und grüßt zurück.

Diese Herzlichkeit hat etwas Rührendes für beide Seiten, denn das Winken wird auch von den TeilnehmerInnen der Rallye erwidert, obwohl eigentlich ein Rennen läuft. Wobei: Nicht alle ProponentInnen teilen den sportlichen Ehrgeiz. Manche fahren mit, um ihren Wagen durch selten schöne Gegenden auf selten schönen Straßen bewegt zu haben. Andere wiederum wollen gewinnen oder mitmischen und bewegen sich gewissenhaft und akribisch innerhalb der Zeitlimitationen. Denn hier gewinnen ja nicht die Schnellsten, sondern jene, die am gleichmäßigsten unterwegs sind.

Die Sieger 2019: Friedrich Radinger 6 Thomas Wagner auf Mini 1275 GT

Es gewinnt also nicht zwingend ein Ferrari oder ein Porsche, nein, heuer gewinnt ein…..Mini. Und hätte Chris Nell nicht einen kleinen, aber punktereichen Verfahrer gebaut, wären vielleicht sogar zwei Minis unter den ersten Dreien gewesen.

Chris und Rene Nell auf Austin Mini Cooper S.

Aber man glaubt es ja nicht, wie sehr es manche TeilnehmerInnen nach den Sonderprüfungen krachen lassen. Da wird Stoßstange an Stoßstange gefahren, es werden gedriftete schwarze Striche in die Kurven radiert und es quietscht, donnert und raucht. Es ist wohl die einzige Woche im Jahr, wo die Autoversicherer in die Kirche gehen, um für etwas zu beten.


Abseits der Promi- Huldigungen und Fahrzeugbewunderungen sind einige Fotos entstanden im natürlichen Verlauf der Ennstal-Classic, deren Urheber im Übrigen Michael Glöckner und Helmut Zwickl sind. Wenn ihr etwas dafür übrig habt, werden euch die Bilder vielleicht taugen!


Fotos & Text © Peter Philipp 2019