Ein kleines Stölzchen darf vielleicht angebracht sein, dass der vowablog (neben den Salzburger Nachrichten) als erstes Medium Österreichs exklusiv darüber berichten darf, dass das Land eine neue Automarke hat. Was nicht ganz stimmt, denn die Marke gab es vor über 100 Jahren schon, verschied jedoch – bis jetzt halt eben. Dass wir mit dieser Marke bereits in diesen Beiträgen zu tun hatten, lag indes an Ferdinand Porsche und ist insofern ein Zufall. Denn der neue Austro Daimler wurde sehr lang unter absoluter Geheimhaltung entwickelt.

Roland Stagl

Mit einer gehaltvollen Prise Patriotismus stellen wir fest, nun zwei Autobauer in Österreich zu haben, nämlich KTM und Austro Daimler. Magna baut zwar auch Autos, aber nur für Andere.

Doch halt! Wer nun denkt, dass wir einen Großhersteller à la VW bekommen haben, irrt: Der Austro Daimler Bergmeister 630 ADR Shooting Grand ist als Kleinstserie angedacht in einer Größenordnung von höchstens 10 Stück. Anstatt mehr davon zu bauen, sind andere Modelle sehr konkret angedacht. Wir haben es also mit einem jetzt schon raren Auto zu tun und schmerzhafterweise mit einem, das wir uns niemals leisten werden können.

Demnach dürfen wir annehmen, dass das Konzept des Wagens äusserst wertvollen Komponenten unterliegt, aber jetzt der Reihe nach…….


Einige, vor allem Burschen, unter uns verbrachten ihre Kindheit/Jugend mit Bleistift und Radierer, um Visionen auf Papier zu bannen, die später als Auto in Serie gehen sollten. Die Ideen gingen über das Design hinaus auch Richtung Antrieb, der natürlich ebenso zukünftig sein musste, denn immerhin würden 5 bis 10 Jahre ins Land streichen, bevor das Auto Serienreife erlangen würde.

In dieser Weise visionär dachte vor 30 Jahren auch Roland Stagl. Der werte Herr, nun 42 Jahre jung, ist Urheber und Ideengeber zum neuen Austro Daimler. Dessen Designstudien behandelten Autos vom Exterieur bis hinein in den Wohnraum und noch tiefer: Die Durchsichtsentwürfe gaben auch die Konzepte der technischen Innereien preis, was sowohl gestalterisch als auch in der Fähigkeit des räumlichen Denkens als besonderes Talent des damaligen Teens angesehen werden durften.

Rolands Eltern sahen das nicht genau so, sondern forcierten ein Handwerk mit goldenem Boden. Der Boden allerdings war schwarz-silbrig von Betriebsstoffen und Schleifstäuben, die in der Schlosserei der Waggonfabrik wertlos nach unten fielen. Auch nicht gülden sollen die extrem heissen Sommer und bitterkalten Winter in der Fabrikhalle gewesen sein. Ebenfalls die Gemeinschaftswaschräume in einem versifften Korridor, wo beidseitig hunderte Duschköpfe rostig aus den kahl verfliesten Wänden wuchsen, ließen Roland sich nach oben sehnen in die Welt der Angestellten und raus aus jener damals hierarchisch abgetrennten Gegenwelt der Arbeiter.

Also zog er das erste Register, absolvierte neben den 10 Stunden Arbeit in der Waggonfabrik die HTL-Maschinenbau in der Abendschule und wurde Ingenieur.

Das änderte etwas, auch indem Rolands konstruktive Fähigkeiten erkannt worden waren und er dann tatsächlich seinen eigenen Parkplatz bekam inklusive einer Aufbesserung seines Gehaltes. Er konstruierte und designte daraufhin so manche Niederflur-Straßenbahn, das Glück jedoch fand er dabei trotzdem nicht und kündigte irgendwann.

Roland begann damit, auf eigene Faust Motorräder zu bauen und zwar eigenhändig und auf höchstem technischen und ästhetischen Niveau. Ewig halten sollten sie auch. Die Kundschaft war weltumfassend und divers: Manche spulten 300.000 km defektfrei drauf, andere stellten sie mit 0 km in die verglaste, klimatisierte Vitrine, um die Kunstsammlung zu ergänzen. Bürokratische Hürden ließen Roland das Projekt später nicht weiter verfolgen, was ihm heute noch ein wenig leid tut (einer seiner Kunden war übrigens ein berühmter britischer Popstar, dessen Namen leider nicht genannt werden darf: gentlemen´s argreement…..).

Nach diesem Ausflug in die Selbstständigkeit ließ sich Roland für ein sehr großes Unternehmen engagieren, wo er Werksleiter wurde mit einer Gage, die ihm ein äusserst behagliches Dasein ermöglichte. Das war anno 2007 und in der Bankenkrise im darauffolgenden Jahr wurde er von der Führung angewiesen, eine sehr hohe Zahl an teils altgedienten MitarbeiterInnen entlassen zu sollen.

Diese Hürde wollte Rolands soziales Gewissen nicht nehmen, er sah auch keine Möglichkeit, gegen den Irrsinn, kompetente Fachkräfte rauszuwerfen, vorzugehen und nahm abermals den Hut.

Und abermals ging der Weg in die Eigenunternehmung. Diesmal sollte es leider sehr bitter ausgehen, denn am Ende stand ein Scheitern, das seine eigene Existenz bedrohte. „Für einen Fehler so eine Strafe?“, hadert er noch immer ein wenig mit dem Damals.

Jedoch sind die Lebenslehren manchmal schmerzlich, man muss erst einige Male sterben, um wirklich leben zu können. (Charles Bukowski)

Die Lebenskrise setzte neue Kräfte frei und Roland bündelte sie zu neuen Taten. Seinen Stolz konnte diese Misere nicht brechen.

Mit dem Rücken zur Wand nahm Roland einen irrwitzigen Auftrag an, der eine Antriebstechnik betraf, die damals noch niemand so richtig am Radar hatte und er sich intensiv damit auseinandergesetzt hatte. Es ging dabei um einen Antriebsstrang auf Hybridbasis für ein chinesisches Unternehmen.

Hier löste sich der Knoten, das Momentum zu den spezifischen Zeitpunkten des mäandernden Lebensweges betrachtend. Schon 2002 hatte Roland in der Sektion Austro Daimler offen über seinen Traum gesprochen, einen neuen Austro Daimler bauen zu wollen – ernst genommen hatte das aber niemand wirklich. Nun steht das Auto aber da, in zeitlosem Design und revolutionärer Antriebstechnik, so, als wäre die Marke nie untergegangen. Den Bergmeister gab es nämlich schon einmal, und zwar ab 1931…..

Entstanden ist ein Sportcoupé, Shooting Grand genannt, mit Flügeltüren, Hybridantrieb (Reihensechszylinder und drei E-Motoren) und einer Systemleistung von 1198 PS. Über die Technik wird im Folgeartikel zu lesen sein und auch die Bilder des ersten Shootings dürfen erwartet werden!


Fotos © Roland Stagl 2018/2019

Text & 1. Foto © Peter Philipp 2019