Wir gehen gleich mitten in die Dinge. Wir haben: Kamera und randvollen Akku, vielleicht ein Stativ, das Putzzeug, Münzen für die Dampfstrahler und ein Auto. Es geht los.

Ganz wichtig: Perfekt gereinigte Schuhe stehen im Fußraum fahrerseitig bereit und deine Klamotten sind nicht voller Katzen- oder Hundehaare. Deine jetzigen Schuhe sind zum Arbeiten und kommen während der Fahrten in eine Tasche, wo sie ihren Dreck anrichten können.

Auch jene Menschen, die du im Fall mitnimmst, weil du sie brauchst entweder zum Fahren oder Umparken oder dafür, Schaulustige fernzuhalten oder welche, die in deiner Kulisse parken wollen, sollten dieses Prinzip beherzigen. Denn all das resultiert in schmutzigen Schuhen.

Akku-Staubsauger? Nope. Die beste Methode ist und bleibt, so wenig Schmutz als möglich ins Auto zu bringen – kleinflächige Übelzonen zu entfernen sind via Photoshop oder Gimp kein Problem……

10 Minuten gab ich ihnen, dann waren alle Gruppenbilder und Selfies gemacht

Licht, Location und Wetter

Der Idealfall ist trockenes Wetter und Wochenende. Wochenende deshalb, weil sich deine Locations multiplizieren. Es gibt lässige Parkplätze oder gute Architektur und immer ist da sonst noch wer. Wir brauchen aber die Leere, und keine Menschen oder andere Autos im Bild. Deshalb: Wochenende.

Aber man kann sich nicht wirklich aussuchen, wann man einen Wagen bekommt und für wie lange. Dann halt irgendwo oder am Abend, nach Ladenschluß, denn da leeren sich die neuralgischen Punkte vielleicht ebenfalls. Da ist es gut, wenn man seine Locations kennt, weil man sie vorab zu verschiedenen Zeiten und diversen Tagen besucht hatte.

Wie in Teil 1 angekündigt, wird es hier nicht zeitfüllend um das Thema Kunstlicht gehen. Wobei das Thema auszusparen geht auch nicht, denn Kunstlicht bedeutet bloss die Abwesenheit der Sonne und nicht, ein Mörder- Lichtsystem mitzunehmen. Kunstlicht bedeutet auch Straßenlaternen, Kaufhausbeleuchtung, Neonröhren oder urbanes Umgebungslicht.

Wegen der langen Belichtungszeiten von schwachem Kunstlicht ist ein Stativ fast zwingend, ausser man kann seinen Arm arretieren.

Hat man Lichtequipment, so kann man auch blitzen, was nicht nur den Wagen erhellt, sondern auch mißbeliebte Spiegelungen im Keime aufkrautet wie ein Thaurer Bauer das frühe Ungewächs mit Gift.


Knallt die Sonne dagegen senkrecht runter, so ist das nicht ideal. Meide die Mittagszeit, ausser, du willst es so: Harte Schatten, unkonturiert und mit knallender Farbe dein Bild wird sein, was natürlich geht und stark vom Auto in Form und Farbe abhängt.

Knallt die Sonne, knallen die Farben

Prinzipiell stellt man sich besser in den Schatten. Erstens kommt die Form besser und zweitens: hast du schon mal 3, 4 Stunden in der prallen Sonne fotografiert? Nach solch einer Aktion brauchst du ein Navi mit Sprachausgabe, um vom Nachbarort nach Hause zu kommen, weil du nichts mehr siehst vor lauter Licht.

Zum Glück aber dreht sich die Sonne um die Erde, sodass das Licht sehr wandelbar ist in der Vielfalt seiner Natur. Also richte dich einfach danach – und nach dem Wetter.

Hast du Pech mit dem Wetter, so vergiss nie auf dein Glück! Es gibt nämlich kein schlechtes Wetter, sagen wir Fotografen gern, um unseren Beruf weiterhin lieben zu können.

Nasser GT auf nassem Untergrund, Nieselregen

Tröpfelt es nur, so arbeite, regnet es ernsthaft, try it. Der Wetterbericht und deine Beobachtung des Wetters geben dir lang- oder kurzfristig den Aktionshorizont vor. Das Auto wird bei Nässe stehen vor Dreck, also bleibst du weiter weg mit der Kamera. Nässe hat aber was, schon der Spiegelungen wegen…..

Chrysler nach dem Regen
Schwieriger Fall…..

Alle gezeigten Fotos, außer jenen, bei denen geblitzt wurde, arbeiten mit available light, also dem gerade verfügbarem Licht, und sei es Kunstlicht aus Neonröhren.

Die besten Tageszeiten sind wohl der frühe Morgen/Vormittag, der späte Nachmittag/frühe Abend. Zu diesen Tageszeiten ist das Licht noch sanft, wirft Schatten und betont die Formen.

9 Uhr vormittags
Abendlicht
Corvette im Schatten. Smooth
Selber Tag: Corvette in der prallen Sonne: Gute Perspektive, aber hartes Licht

Perspektive

Wie in Teil 1 besprochen besitzt jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze und jedweder Gegenstand ein ihm innewohnendes Wesen.

Es erkannt zu haben, wird dein Bild zu einem Gut machen. Wenn nicht (und ich spreche aus Erfahrung), hast du halt unherzeigbaren Müll produziert, der in der digitalen Welt immerhin einfach und rückstandslos entsorgt werden kann.

Schade, trotzdem, um den Aufwand. Wenn du die folgenden Tips beherzigst, wird dir das Schicksal des Entsorgens nicht widerfahren, so wie mir. Die höhere Weihe des Fotografierens ist ja, das Sehen selbst gelernt zu haben und das lernt man ja auch über die Fotografie.

Das Objekt aus allen möglichen Blickwinkeln heraus verstanden zu haben, wird das Wesen des Autos beschreiben, und die Möglichkeiten sind vielfältig:

Die Art der Darstellung kann über die Wahl der Perspektive extrem unterschiedlich sein. Man unterscheidet im Wesentlichen drei Formen der Perspektiven: Frosch-/ Normal-/ und Vogelperspektive:

Frosch
Normal
Vogel

Im Falle des Jaguars unten haben wir zwar auch Licht und Schatten, aber das linke Bild zeigt die „normale“ Ansicht, also auf Augenhöhe minus einen halben Meter. Das rechte Bild ist aus der Vogelperspektive und stellt eine wesentlich grössere Fläche an Auto dar.

Von oben sieht man mehr vom Auto
Audi A6: der Winkel macht´s

Der Audi gibt links ein relativ konventionelles Bild ab, rechts aber wirkt er schnittig und absprungbereit.

Das Bild links wäre wieder Augenhöhe minus einen halben Meter, die Ansicht am Bild rechts ist aus der Froschperspektive – die Kamera steht auf dem Asphalt mit leichtem Winkel nach oben, damit auch was vom Auto drauf ist 😉

Andere Perspektive – andere Gesichter

Wie immer man es sehen mag, so zieht eine gewisse, dezente Dramatik im Bild die Aufmerksamkeit auf sich. Man hat die Wahl des Dramas.

Straight…….
…..or frog? Same car

Am Besten ist stets und nach Möglichkeit immer bitte mit Alles. Normalansicht geht immer, Froschperspektive auch, nur die Vogelperspektive wird man nicht überall haben können. Ausser natürlich, du hast eine Drohne:

Hat was, nicht? Doch hier würde zu den Themen Location, Licht und Perspektive noch hinzukommen, dass wieder das Wetter bzw. der Wind ein Argument sein wird und auch die relativ bescheidene Bildqualität in der Fotografie, denn Filmen ist mit Drohnen ja nicht das Problem.

Ausserdem ist die Größe der Drohne gesetzlichen Bestimmungen ausgeliefert, welche dafür sorgen, dass man für große eine Genehmigung braucht – gegen Gebühr, natürlich!

Im nächsten Beitrag der Reihe wird es um Mitzieher gehen und um Farben.

Ein Mitzieher ist eine Belichtungstechnik und kein zufällig getroffener Bekannter, der sich an die Lokaltour dranhängt. Und Farben sind als Thema ebenfalls interessant, da wiederum die Inszenierung im Vordergrund steht und man sehr leicht spannende Bilder bekommen kann…….

Matching Coloures

Bis dahin: Bleibt gesund, wohlbehütet und in Sicherheit!


Fotos & Text © Peter Philipp 2019