Farben

Es war schon mal bunter auf Tirols Straßen, was allerdings eine Zeit her ist. In den Sechzigern/Siebzigern herrschte eine gewisse Fröhlichkeit nicht nur im Blick der Autos, sondern auch in der farblichen Feier des Daseins vor.

Mein Vater zB hatte den Ford Escort am Bild unten und weil schwarze Motorhauben als gelebtes Rowdytum galten, ließ ihn meine Oma nicht mehr vor dem Haus parken. Punkt.

In den Achzigern bis hinein in die Neunziger, als Paare mit identischen türkis-violetten Trainingsanzügen mit neongelben Akzenten die öffentlichen Plätze verunstalteten, schickten sich etliche Hersteller (sogar Porsche) an, in die fragwürdige Harmonie einzutreten und boten die ärgsten Farben an.

Heute ist die beliebteste Autofarbe Grau in allen Tönen, gefolgt von Schwarz und Blau. Wobei: die einzige Farbe unter den dreien ist Blau. Grau, Schwarz und Weiss sind genau genommen Helligkeiten.

Ein Auto mit einer Farbe zum Ablichten zu bekommen ist statistisch gesehen also ein Glücksfall.

#Shades Of Grey

Die
drei
Helligkeiten

Dabei sind Schwarz, Grau oder Weiß mitnichten problematisch in der Fotografie, im Gegenteil: Sie passen überall, da sie sich nicht mit Farben duellieren.

Wer mehr Pepp im Bild möchte, kann ja Farbe ins Spiel bringen! Die Möglichkeiten hierfür gehen ins Unendliche. Nur der Reiz von Wald und Wiese ist enden wollend, so sehr ich den Pflanzen ihr Chlorophyll gönne. Grün gilt in der Farbenlehre als „giftig“, weil es ab dem 18. Jahrhundert Arsen enthielt. „Grün zu sein ist nicht leicht“, sagt selbst Kermit, der Frosch.

Möchte man farblich beruhigtere Bilder bekommen, so stelle man das Vehikel vor oder in eine Kulisse, die der Farbe des Wagens ähnelt:

#Glückskeks

„Mit den Augen der Liebe sieht man die Dinge anders“, stand im letzten Glückskeks. Andere Dinge, also zum Beispiel farbige Autos, bringen Liebe in die Augen. Nun haben wir zwei Möglichkeiten: Wir bespielen einerseits die Farbe des Autos bzw. seiner Teile mit Umgebungsakzenten: Seat Ibiza, Dino 248, Škoda Fabia:

Andererseits können wir die Farbe in einen attraktiven Kontrast stellen:

„Deine Argumente zünden jetzt und bescheren Erfolg“. Stand im vorletzten Glückskeks…….

Mitzieher

Das oben ist ein horizontaler Mitzieher. Das unten nicht!

Der Unterschied bei den zwei Bildern liegt in der Achse des Mitziehers, entweder quer oder längs……..


#Mitzieher?

Bei dieser fotografischen Technik kommt Bewegung ins Spiel. Hinterfragt man den tieferen Sinn von Autos, so kommt man zur Erkenntnis, dass sie rollen können und deshalb der Fortbewegung dienlich sind. Beim Mitzieher bewegt sich jedoch nicht das Auto von der Kamera fort, sondern die Umgebung.

Technisch gesehen geht es dabei um eine längere Belichtungszeit (zwischen einer 1/20stel oder 1/40stel Sekunde, je nach Geschwindigkeit des Autos und je nach Licht), also eine Zeitspanne, in der eine Stechmücke ca. 100 Flügelschläge leistet.

Man bewegt die Kamera mit dem Auto mit im Fall des oberen Bildes. Beim Audi e-tron dagegen fokussiert man das Auto straight, während man sich in der Längsachse selbst bewegt, und zwar in der selben Geschwindigkeit wie der e-tron.

Hat man eine relativ ruhige Hand und gutes Licht, braucht man dazu im Fall nicht mal ein Stativ:

Sicherheitshalber hast du aber ein Stativ, das du stabil aufstellst, vor allem in Steigungen/Gefällen – also waagrecht. Den Stativkopf richtest du nach der Neigung der Straße aus. Damit hast du den Fokus in zB einer aufsteigenden Kurve auf das Auto gerichtet. Wie hier beim California:

Weil der Hintergrund durch die Bewegungsunschärfe verschwimmt, scheint er keine so große Rolle zu spielen wie beim Thema Location, wo alles stimmen sollte. Das ist zum Teil auch richtig so, aber eben nur zum Teil.

Weil der hier…..

……ist halt doch cooler als der hier:

Nicht?

Während Mitziehern entstehen sehr viele Fotos, weil man auf Nummer Sicher geht. Vertut man sich beim Schwenk, hat man abgeloost und damit auch kein Bild. Das wäre auch deshalb schade, weil du einen Mitarbeiter bemühst, der (oder natürlich auch: die) das Auto fährt. Audi A1:


#Man ziehe am Horizont

Horizontale Mitzieher unterscheiden sich vom vertikalen darin, dass du wo stehst und mit der Kamera dem Vorbeirauschen des Autos folgst. Je nachdem, wie viel Übung du hast im Mitziehen, muss das Auto an dir ein paar Mal vorfahren.

Zu üben indes zahlt sich aus, denn die Dynamik, welche die Bilder haben, lässt sich mit keinem Standbild verwirklichen. Eigentlich ist der Mitzieher der Natur eines Autos am Nächsten, da er den gewollten (je nach politischer Sichtweise) Möglichkeitsgrad eines Mittels, das zu einer Bewegung fähig ist, artgerecht abzubilden vermag.

1. Škoda Karoq von einem wahnsinnig lieben Menschen ausgeliehen und abgelichtet. 2. Der Karoq von einem Wahnwitzigen gefahren hat aber doch mehr Effet
2. Stillstand und Tempo mit Stefan

Was einen gelungenen Mitzieher ausmacht ist, dass zumindest ein Teil des Wagens gestochen scharf ist. Sonst gilt es nicht und fällt unter fragwürdige Kunst.


#Man wickle die Straße ab

Vertikale Mitzieher sind die eher ungemütliche Variante der horizontalen, denn man hat sich samt Equipment in einem Kofferraum in Origamitechnik hineinzufalten. Das ist für alle, die nicht größer sind als 50 cm, kein Problem. Für große Menschen stehen aber klaustrophobische Erweckungsmomente bereit. Ideal ist deshalb ein Bus mit offener Heckklappe.

Audi A5 aus dem Kofferraum eines Q3
AFM aus dem Kofferraum eines BMW X5
e-tron aus dem Kofferraum eines VW Bus

Damit die Arbeiten nicht unnötig erschwert werden, sucht man sich eine Strecke mit einem intakten Belag, denn Rillen, Schlaglöcher oder ein Fleckerlteppich werden die meisten deiner Bilder so aussehen lassen:

Klassischer Verwackler, trotz Statives

Das äusserst Reizvolle an Mitziehern liegt darin, dass man im Bild die Zeit vergehen sieht in der Dauer eines halben Flügelschlages des Pelikans. Ein Fortgehen der Zeit kommt sonst nur im Film vor…..und im echten Leben.

Wenn du ganz wild sein willst und ein Zoom hast, kannst du dich auch damit spielen:


#PS

Sollte niemand Zeit gehabt haben, mit dir mitzukommen, um das Auto für die Mitzieher zu fahren, existiert eine Notlösung durch die Bildbearbeitung, also quasi Photoshop. Dabei versetzt man den Hintergrund in eine horizontale Bewegung und die Räder des Autos in eine radiale. Audi A8:

…….aber wie ein echter Mitzieher sieht es trotzdem nicht aus…..

Mitzieher funktionieren übrigens auch von innen heraus und hier auch aus den beiden Winkeln (hori/verti) und in echt:

Wir nähern uns damit den Themen *Innenraum und *Details, was wir im nächsten Beitrag zu erörtern suchen!

Bis dahin: Gesundheit allseits!


Fotos & Text © Peter Philipp 2019