Gott war zufrieden und erledigt. Am 7. Tag betrachtete er seine Schöpfung und freute sich, nicht darauf vergessen zu haben, den frischen Menschen etwas Göttliches mitzugeben: nämlich seinen eigenen Schöpfergeist! Er hatte dazu einen Genpool angelegt gehabt, der den Menschen über das Tier erheben sollte.

Der Genpool war ein Plattform-Gedanke, der die Menschen nach einem grundlegenden Baumuster hierarchisch einordnete. Sie waren alle gleich, jedoch die Möglichkeit im Sinne einer Mutation und im Laufe der Entwicklungen und der zu erwartenden Vermischungen, sich selbst verändern zu dürfen, vor allem in individuellen Details, führte zu bunten Blüten wie süssen Babies, schönen Frauen und dummen Männern.

Manche Menschen nämlich sollen im Zusammenspiel ihrer vom Schöpfergeist nach Vermehrung rufenden Veranlagung ihre ganz persönliche Plattform konstruiert haben, allen voran Dschingis Khan, der wilde Hund.

Denn die Idee, die verschiedensten Derivate aus einem gemeinsamen Genpool heraus entstehen zu lassen, ist nicht neu. In Asien, zwischen Pazifik und Kaspischem Meer, lässt sich bei 16 Millionen Männern die Signatur eines gemeinsamen Y-Chromosomes nachweisen, das auf Dschingis Khan zurückführbar sein soll.

Man weiß es nicht genau, aber überliefert ist, dass einer seiner Söhne ohne Zahl selbst 40 Kinder gehabt haben soll. Verlässlich beweisen ließe sich das aber nur, würde man die Grabstätte des Herrschers finden, um eine DNA-Probe zu haben. Er war aber, wenn er´s war, ein Multiplikator, sozusagen.

Der Škoda Karoq hat die gleiche Plattform wie der…..

Dennoch war es ein europäischer Herrscher, der auf die Idee des MQB, des Modularen Querbaukastens, kam, nämlich der frühere VW-Vorstandsvorsitzende Ferdinand Pïech. Wie schon Dschingis Khan war Ferdinand nicht lahm des Kinderwunsches und erzeugte, als Ingenieur um die ideale Balance der Massenkräfte kundig, 12 Exemplare mit 4 Frauen.

Der Mann hatte für den Volkswagen-Konzern schon einige entscheidende Weichen gestellt gehabt, als er 1995 eine Politik der gemeinsamen Plattformen der Presse vorstellte. Dieses Plattformkonzept wurde 2012 vom MQB abgelöst im Sinne von evolutionär weitergedacht: Der MQB ließ eine viel höhere Standardisierung in Bezug auf Gleichteile zu.

……Audi Q2, und der steht wiederum auf der gleichen Plattform wie der…….

„Modularer Querbaukasten“ (MQB) war und ist eines der Sexiest Words Alive im Wortschatz der Volkswagen-Techniker und das nicht zu Unrecht. Wir Laien denken zuerst vielleicht an Lego-Technik, was gar nicht so weit hergeholt ist, dennoch ist die Idee selbst, anhand von Automobilen verschiedene Produkte auf eine identische Basis zu stellen, gar nicht so neu.

……VW T-Roc und der widerum teilt sich die Plattform mit……..

Schon sehr viel früher konnten Fahrwerke ohne Karosserien geordert werden, um sich von einem Karosseur etwas draufbauen zu lassen, das einem selbst ästhetisch mehr entsprach als das Norm-Modell der Firma. Das nahm teils hochexklusive Formen an, aber auch bei einem Ford T durfte man schon damals Sonderwünsche äußern.

…..dem Seat Ateca.

Was bedeutet nun MQB genau? Das Kürzel verweist auf die drei essentiellen systemischen Begriffe, nämlich Modular, Quer und Baukasten. Also eins nach dem Anderen.

Modular bedeutet, dass aus mehreren Bauteilen ein technischer Komplex zusammengefügt werden kann. Es gibt also verschiedene Modulfamilien wie die Motoren, die Aufbauten, die Fahrwerke und die Elektronik/Elektrik.

Quer bedeutet nichts anderes, als dass in diesem System die Motoren quer eingebaut sind. Das geht mit relativ kleinen Motoren bis zu 4 Zylindern, während die Größeren längs im Motorraum liegen (MLB – Modularer Längsbaukasten).

Baukasten bedeutet die Rahmenbedingung für die Module und die Motoren in Bezug auf das Fahrzeug.

(Foto © Volkswagen)

Die Volkswagengruppe vereint nun 12 Marken unter seinem Dach und da war es natürlich naheliegend, darüber nachzudenken, wie man die Herstellung der Fahrzeuge kostengünstiger, effizienter und nachhaltiger organisieren könnte im Bilde eines gesteigerten Wettbewerbs, eines insgesamt steigenden Fahrzeugvolumens und vor Allem einer ziemlich bunt werdenden Segmentierung der Fahrzeugklassen.

Denn früher: Audi 50, 80, 90, 100, 200, V8…..

Heute: Audi A1, A2, A3, A4, A5, A6, A7, A8, Q2, Q3, Q5, Q7, Q8, TT, R8, E-Tron, etc….

Zum Baukasten:

Bilder-Technik-VW-Modulare-Querbauweise-001.jpg
MQB A1 (Foto © Volkswagen)

Auf dem Bild oben erkennt man die Struktur eines Baukastens samt einiger Module. Im Wesentlichen dreht es sich ums Fahrwerk und den Motor, der hier, wie erwähnt, stets quer eingebaut ist. Einheitlich ist nur ein kleines Segment, nämlich der Abstand von der vorderen Radnabe bis zur Spritzwand. Die heißt immer noch so, obwohl die Motoren von heute über gar keine Zischhähne mehr verfügen oder gern zu kochen beginnen wie Mutti für die Fratzen.
(Apropos Kochen: Eine andere Baukastenidee war bereits 1926 von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky erarbeitet worden, indem sie die erste Einbauküche entwarf (Frankfurter Küche)).

Danach darf eine axiale Verlustigung Platz finden – je nach Bedarf. So wird das eine Auto etwas länger, das andere dagegen höher und aussehen tun sie ohnehin nicht gleich, wenngleich ähnlich, was widerum dem Segment geschuldet ist, in welchem es vom Design her Grenzen gibt, die einer idealen Proportion geschuldet sind.

Standardisierte Module zu verbauen bedeutet natürlich auch eine standardisierte Produktion, was nichts anderes bedeutet, als dass Produktionen leicht von einem Ort, je nach Bedarf, zu einem anderen hinverlagert werden können. Und für die Zulieferer ergeben sich daraus höhere Stückzahlen von Gleichteilen, allerdings unter der Prämisse der absoluten Fehlerlosigkeit in der Herstellung:

Denn hat man etwas vergeigt in einem einzigen Prozess, dann wird nicht nur zB alle Audi A2 heimgeholt, sondern sämtliche ebenfalls waidwunden Atecas, Karoqs und T-Rocs zurückgepfiffen werden.


Neben dem MQB hat Volkswagen noch den MLB (Modularer Längsbaukasten) ersonnen, aber auch einen Modularen Standard-Baukasten für Sportwagen oder Elektroautos.

(Foto © Volkswagen)

Auch der Mensch ist, um auf Dschingis Khan zurückzukommen, nach dem modularen Baukasten – Prinzip gefertigt. Es gibt eine gemeinsame Plattform wie das Gebein, aber Flexibilität in Auftreten und Lackierung, alle haben die gleichen Module in Form von Organen, Elektrik/Elektronik im Sinne von Nervensystemen, arbeiten mit ähnlichen Betriebsstoffen und alle tragen mit ihren Sinnen Assistenzsysteme und das Infotainment in deren Häuptern.

Doch beim Menschen hat sich leider ein Produktionsfehler in die Schöpfung eingeschlichen: Er ist gierig, weshalb die gesamte Gattung in einer Rückruf-Aktion ein geistig-sittliches Update erhalten sollte. Dafür werden, bei fast 8 Milliarden Menschen, wohl alle Götter mithelfen müssen……


Text & Fotos © Peter Philipp 2020